Rezension

Kokoko!

Fongola


Highlights: Likolo // Azo Toke // Malembe // Kitoko
Genre: Afrofuturism // Tekno Kintueni
Sounds Like: Konono Nr.1

VÖ: 05.07.2019

Wie klingt eigentlich die kongolesische Hauptstadt Kinhasa? Nach der 2016 gegründeten Band Kokoko! ist es eine Stadt, in der man mehr hört als sieht und eine, deren Sound tief verwurzelt ist. Neben der turbulenten politischen Geschichte des Landes, sind es experimentelle Musikgruppen wie beispielsweise „Franco & T.P.O.K Jazz“, die in den 1950er bis 1970er Jahren aktiv waren, oder das „Orchestre Symphonique Kimbasguiste“ die die Stadt geprägt haben. Nun klopfen Kokoko! (dt: „Klopf, Klopf, Klopf“) an, greifen den experimentellen Sound wieder auf und bäääm – da sind sie nach ihrer EP mit einem grandiosen Debutalbum.

Ihre Songs drehen sich allegorisch um Fragen nach Identität, Zauberei, Gier, Korruption und nach Elemente täglicher Kämpfe. Der Sound der Band, der etwas Klares und Eindeutiges hat und dabei von einem Drive nach vorne bestimmt ist, lässt keine Zweifel, dass die Sinnbilder der Texte als Kritik zu deuten sind. In Kombination mit elektronischen Elementen sind es insbesondere ihre selbstgebauten Instrumente, die den Sound von Kokoko! so einzigartig machen: aus unterschiedlich befüllten Wasserflaschen werden Melodieinstrumente, aus einer alten Schreibmaschine eine Trommel, eine alte Blechdose mit einer Fahrradbremsschnur steuert als einsaitiges Gitarreninstrument die Riffs bei, ein Autokassettenrekorder dient als Ghetto-Talkbox. Zusammen mit den Vocals, die oftmals etwas (auf-)rufendes haben, und den Synthesizern lässt einen das nicht lange still sitzen. „Tekno Kintueni“ oder „Zagué“ bezeichnet genau diesen rohen, direkten, hypnotischen Groove, der die Street-Party-Energie auch im Zuhause spüren lässt.

Beim Opener „Likolo“ wird erst noch sphärisch eingestimmt, bevor der Bass treibend und stampfend dazu kommt und von einem Glockenspiel ergänzt wird. Nach und nach baut sich der Sound auf, so als würden die einzelnen Instrumente vorgestellt werden. Bereits jetzt stellt sich Vorfreude auf das Album ein, die von der Energie „Azo Toke“s gesteigert wird. Hier werden die Einflüsse des lokalen Soukous deutlich und die Call-and-Response-Vocals steigern die Euphorie. Spätestens bei dem aufsteigenden Gesang von „Buka Dansa“ zeigt sich, wie vielfältig und verwoben der Rhythmus ist und trotz der Klarheit etwas Komplexes hat. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit „Identité“ wird mit „Malembe“ wieder ordentlich eingeheizt. Darüber hinaus runden die Gastsängerinnen bei einzelnen Tracks („Identité“, „L.O.V.E“, „Singa“) das Ganze ab.

Das Album schafft es über die gesamten elf Tracks das Energielevel hoch, ja sogar sehr hoch, zu halten. Mit seiner vielfältigen Zusammenstellung der Songs und der (Neu-)Kreation von elektronischer Komposition in Kombination mit ihren Musikinstrumenten sicherlich eins der wichtigsten und aufregendsten Debütalben 2019 und mit großem Potential ganz oben in die "Alben des Jahres"-Liste zu kommen. Man darf gespannt sein, welcher Sound in Zukunft aus Kinhasa zu hören sein wird, nach dem Debutalbum muss Kokoko! jedenfalls nicht mehr anklopfen.

Lina Niebling

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Video zu "Azo Toke"
Video zu "L.O.V.E."

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