Rezension

Klaus Johann Grobe

Du Bist So Symmetrisch


Highlights: Von Gestern // Out Of Reach // Zu Spät
Genre: Kraut-Pop // Disco // R'n'B
Sounds Like: Metronomy // Die Sterne // Pond

VÖ: 26.10.2018

Klaus Johann Grobe machen sich auf ihrem dritten Album seit Bandgründung 2012 so ihre „Discogedanken“: Wenn man im Tanzlokal auf einmal zu reflektieren beginnt und die Absurdität der penetrant guten Laune der Anderen erkennt, kann man durchaus melancholisch werden – was die beiden Schweizer wiederum ermutigte, den Opener und erste Single ihrer neuen Platte zu schreiben. Wie um alle Zweifel herunterzuspülen, werden die geliebte Hammond-Orgel über Bord geworfen, ein paar schicke Synths aufs Parkett gebracht und noch etwas Bass reingedreht. Dazu vielleicht noch ein Glitzerjäckchen und endlich mal versuchen, schön und ordentlich zu singen? Jaja, Klaus Johann Grobe, deren Stil von vielen Journalisten ja liebevoll „Kraut-Pop“ genannt wird, gelangen auf „Du Bist So Symmetrisch“ an ihre „English Riviera“ und schicken sich an, so etwas wie die deutschsprachigen Metronomy zu werden. Das klingt ohne Zweifel ganz druckvoll, aber auch etwas „symmetrischer“, will sagen langweiliger als bislang.

Größtes Manko wäre die glatte Produktion der Vocals, die den offensichtlichsten Bruch mit der Vergangenheit darstellt. Die absolut sympathischen Sevi Landolt und Daniel Bachmann klingen dadurch ungewohnt unerreichbar, irgendwo mit Elvisperücke in ihrer eigenen Sphäre schwebend. Der überpräsente Bass und die Nile-Rogers-Gitarre aus „An Diesem Abend“ schielen unweigerlich aufs Radio. Aber natürlich ist nicht alles schlecht, im Gegenteil: „Von Gestern“ ist auf Zack mit musikalischem Witz und vielleicht der erste Song, der beim ersten Hördurchgang nicht an einem vorbeirauscht. „Out Of Reach“ tut es ihm dann auch textlich und gesanglich nach („der Shit ist episch // … // mit geilen Tretern an den Feet“) und „Zu Spät“ ist einfach unwiderstehlicher Pop. Mit „Du Bist So Symmetrisch“ schunkeln sich Klaus Johann Grobe gekonnt, aber etwas zu dolle durch den Club. Weniger Verschrobenheit, mehr Aufmerksamkeit. Und das ist ein bisschen schade.

Jonatan Biskamp

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