Rezension

Kissogram

Nothing, Sir!


Highlights: Shuffle Along // In The Wilderness
Genre: Elektropop
Sounds Like: Jeans Team // Stereo Total // Saalschutz

VÖ: 27.04.2007

Elektro, abseits von House, Techno, Trance und Konsorten, die sich ja, zu des einen Freud, des anderen Leid, schon länger als ein Jahrzehnt allgemeiner Beliebtheit erfreuen, scheint im deutschsprachigen Raum immer populärer zu werden. Mehr und mehr Formationen aus dem Bereich Elektropop, - clash und Co. scheinen über die letzten Jahre förmlich wie Pilze aus dem Boden zu schießen, und man möchte gar nicht glauben, dass es Kissogram, ihres Zeichens ein Elektropop-Duo aus Berlin, bereits seit 1999 gibt. Trotzdem ist „Nothing, Sir!“ erst der zweite Output auf Albumlänge. Qualität statt Quantität also?

„Car Crash Bop“ fängt zumindest schon einmal funky an, und verspricht zum Tanzflächenstampfer zu werden, und auch die später einsetzenden, orientalisch anmutenden Harmonien wirken auf jeden Fall originell. Das Problem dabei ist nur, dass diese sich durch so einige Songs auf dem Album ziehen, und nach dem zweiten oder dritten Mal eben nichts neues mehr sind, sondern eher ein bisschen nerven. Von den Songtexten ganz zu schweigen: Sinnlose Lyrics sind ja im Elektrobereich keine Seltenheit (siehe zum Beispiel Saalschutz und teils auch die Mediengruppe Telekommander), und sind, insbesondere bei ersterem Beispiel, durchaus auch mal für einen Lacher gut, aber auf Zeilen wie „Yesterday I slept // with my hairdresser // Now I’ve got curly hair // in stormy weather“ hat die Welt nun wirklich nicht gewartet. Und das ist noch einer der weniger holprigen englischen Reime, die sich Kissogram so aus den Fingern gesaugt haben.

Am besten sind Kissogram immer dann, wenn der Beat die Füße in Richtung Tanzfläche zerrt, und eventuell, wie im Falle von „Shuffle Along“, auch mal mit Gitarren geclasht wird. Auch das vollkommen groteske und aufgesetzt überfröhliche „She’s An Apple Pie“ hat durchaus seine Reize. Von langsamen Songs hätten sich die Herren Poppe und Dassé allerdings besser fernhalten sollen. Die 4:45 Minuten von „I’m The Morning After“ beispielsweise kommen einem wie eine halbe Ewigkeit vor. Es wäre wohl ganz hilfreich gewesen, nicht nur ein paar Songs auf mehr als einem einzigen Motiv aufzubauen, und dadurch für ein bisschen mehr Soundtiefe und Abwechslung zu sorgen. Vermutlich ist „Nothing, Sir!“ eines jener Alben, die nur live richtig funktionieren, und dann hoffentlich auch einmal etwas mehr die Zähne zeigen. Dafür kann man dann auch bedenkenlos sein Geld investieren. Beim Album dagegen sollte man sich vorher zumindest Gedanken machen.

Johannes Neuhauser

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