Rezension

Kent

Tillbaka Till Samtiden


Highlights: Elefanter // Ingenting // Columbus
Genre: Synthie-Pop
Sounds Like: Mew // Mercury Rev // Tears For Fears

VÖ: 26.10.2007

Neben dem UK und den USA ist sicherlich Schweden der dritte Kopf im Triumvirat der großen Indiemächte. Zahlreiche tolle Bands hat uns dieses mit gerade einmal 9 Mio. Einwohnern verhältnismäßig kleine Land beschert. Was die Wenigsten wissen: die hierzulande bekanntesten Bands wie Mando Diao oder The Hives sind in ihrem Heimatland alles andere als die großen Stars. Zuhause regieren nämlich hauptsächlich schwedischsprachige Bands. Über Diskussionsstoff wie eine Deutschquote im Radio kann man in Schweden nur lachen. Auch Kent haben sich inzwischen nach ihrem letzten englisch gesungenen Album, welches immerhin satte sieben Jahre zurückliegt, völlig ihrer Muttersprache hingegeben und auch getourt wurde nur noch im skandinavischen Bereich.

Für alle ausländischen Fans bedeutete dies völlig überteuerte Importe und Konzerte fanden allenfalls in den heimischen Boxen statt. Doch damit soll nun Schluss sein. Kent haben zuhause alles erreicht, was man als Band erreichen kann und nun soll ein erneuter Versuch unternommen werden, in Resteuropa zu punkten. Zumindest in Deutschland hat man dafür gute Chancen, schließlich befindet sich hier Kents größte Fanbase. Nach Schweden versteht sich.

Trotzdem sehr mutig, weiterhin die schwedische Sprache beizubehalten. Für ungeübte Ohren erstmal eine Herausforderung, da vollkommen ungewohnt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit stellt man aber fest, dass Schwedisch ganz wunderbar mit dem typisch melancholischen Sound von Kent harmoniert. Und der hat sich seit dem letzten regulär erschienenen Release extrem gewandelt. Brit-Pop-Rock? Die Zeiten sind vorbei. Man muss geradezu die Gitarren suchen auf „Tillbaka Till Samtiden“ oder sie erklingen nur ganz subtil. Zu hören gibt es jetzt eine gehörige Portion Synthie-Pop. Kent haben ihre Musik einfach eine Dekade in die Vergangenheit verschoben. Grund dafür ist neben dem Ausstieg von Gitarrist Harri Mänty nach eigener Aussage hauptsächlich, dass „die eigenen Gitarren irgendwann angeödet haben“.

Leider muss man aber sagen, dass auch „Tillbaka Till Samtiden“ stellenweise anödet. Irgendwann werden die stumpfen Beats zu eintönig, die Abwechslung fehlt und manche Songs ziehen sich aufgrund ihrer Länge dahin wie Kaugummi. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass man dies alles schon einmal besser und aufdringlicher gehört hat. Nämlich in den 80ern. Die sind zwar gerade auch wieder in, aber Kent schaffen es nur selten, der Klasse vergangener Helden gerecht zu werden. Das poppige „Ingenting“ oder die Barclay-James-Harvest-Hommage „Columbus“ können da zwar als gelungene Versuche gewertet werden, der Großteil des Albums versackt aber in der Bedeutungslosigkeit. Da waren Mew letztes Jahr konsequenter und gewinnen im Kampf um die Eighties-Revival-Krone ganz klar durch KO. So bleibt es wohl bei Köttbullar und Ikea. Schade.

Benjamin Köhler

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