Rezension

Justin Hopper & Sharron Kraus With The Belbury Poly

Chanctonbury Rings


Highlights: Layers // Wanderer // The Devil & St. Dunstan
Genre: Haunted Folk Experimental // Spoken Word
Sounds Like: Sharron Kraus // Justin Hopper // Shirley Collins

VÖ: 21.06.2019

Es ist eine seltsame Sache, wenn man – das heißt ich – weniger sagen kann, ob ein Album wirklich gut oder einfach nur faszinierend ist. Dies ist das Problem oder besser die Herausforderung mit “Chanctonbury Rings”, einer Kooperation von Justin Hopper, Sharron Kraus und Belbury Poly.

“Chanctonbury Rings” ist eine mit Musik untermalte Spoken-Word-Inszenierung. Musikalisch zehrt sie aus experimenteller Electronica und vornehmlich ambientem Folk. Inhaltlich reflektiert die Platte wohl, wie Hopper die Chanctonbury Rings im englischen West Sussex erlebte und seine Recherchen zum Thema.

Beim Chanctonbury Ring handelt es sich um eine prähistorische Wallburg in der Nähe der Gemeinden Washington und Wiston im Süden Englands. Der gleichnamige Hügel wurde offenbar von der Bronzezeit bis in die Römerzeit vielfach genutzt. Wichtiger aber erscheint, dass sie seit Jahrhunderten nicht nur das Interesse der Historiker erregt, sondern auch mystisch und okkult interessierte Menschen fasziniert sowie lokale Erzählungen inspirierte. So wird in West Sussex erzählt, der Teufel habe die Anlage errichtet.

“Chanctonbury Rings” als Album vermag nun auf verschiedene Arten zu überzeugen. Im einfachsten Fall erfüllt es die Funktion einer primär sanft-beruhigenden Hintergrundbeschallung. Der gesprochene und gesungene Vortrag sowie die musikalische und Geräuschinszenierung erschaffen einen ambienten Klangraum, der abschirmt und einhüllt.

Darüber hinaus aber ist auch die intensive Auseinandersetzung mit der Platte ungemein befriedigend. Einerseits ist der scheinbar simple Klangraum nicht nur wohlklingend, sondern bietet auch die Tiefe und die Anreize, ihn aufmerksam erkunden zu können und zu wollen. Nicht zuletzt ist es aber eben die Geschichte und sind es die Geschichten, die Geschichtswissenschaft, Tradition und Justin Hopper hier um die Chanctonbury Rings und die südenglische Kreidelandschaft weben und erzählen, die beim Hören so fesseln und gefallen. Auch der ruhige und doch dringliche Vortrag aller Beteiligten hilft sicher dabei, den Hörer zu faszinieren.

Wer weiß, ob der Teufel wirklich den Chanctonbury Ring erschaffen hat, oder ob die Zeit tatsächlich durchlässig wird in seiner Nähe. Sicher ist jedoch, dass “Chanctonbury Rings” ein Album ist, in dem man sich musikalisch wie inhaltlich verlieren kann.

Oliver Bothe

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