Rezension

Julian Plenti

Is...Skyscraper


Highlights: Fun That We Have // Skyscraper // On The Esplanade // Fly As You Might
Genre: Indie
Sounds Like: Interpol // iLIKETRAINS // Spoon // Film School

VÖ: 31.07.2009

Mit Soloalben bekannter Bandmitglieder ist es ja immer so eine Sache. Wenn man nicht gerade Thom Yorke oder Peter Fox heißt, geht man in der Regel nur selten als Gewinner aus dem musikalischen Egotrip hervor. Entweder klingt die Dame oder der Herr nämlich häufig zu sehr wie die Hauptband und dann rätseln wieder alle Kritiker, welchen Sinn das Ganze haben soll. Oder er/sie entfernt sich meilenweit vom den Sound der Hauptband und deren Fans reagieren geschockt und mit Unmut auf die neuen Wege, die ihr liebstes Bandmitglied eingeschlagen hat.

Paul Banks hat sich gleich einen zweiten Namen zugelegt, um von vorneherein ein wenig falschen Erwartungen entgegenzuwirken. Die gibt es selbstverständlich trotzdem, sobald man Julian Plenti erst mal unter „Paul Banks -> Interpol“ abgespeichert und die ersten Töne seiner unverkennbaren Stimme gehört hat. Dennoch sind die Vorzeichen hier etwas anders. Eigentlich gab es Julian Plenti schon, bevor es Interpol richtig gegeben hat. Bereits 1996 fanden die ersten zaghaften Versuche, Songs zu komponieren, statt. Der Erfolg der Hauptband machte dem Solokünstlerdasein allerdings für lange Zeit einen Strich durch die Rechnung. Erst die inzwischen fortschrittlicheren Produktionstechniken entfachten in Julian Plenti wieder das Feuer vergangener Tage und nach drei Jahren „Immer-mal-wieder-dran-arbeiten“ ist nun endlich das Ergebnis zu hören.

Julian Plenti trifft auf „Is...Skyscraper“ ziemlich genau die Mitte aus beiden oben beschriebenen Extremen. Zum einen sind die Unterschiede zu Interpol deutlich hörbar. Er benutzt vor allen Dingen deutlich mehr elektronische Elemente, was eigentlich Interpol-typische Songs wie das tolle „Fun That We Have“ deutlich organischer macht. Richtig großartig wird Julian Plentis Musik allerdings meistens dann, wenn er sich in klassischen Singer/Songwriter-Gefilden aufhält („Madrid“) oder den Einsatz von Streichern zulässt („Fly As You Might“). Wenn beides zusammenkommt, dann entsteht dabei sogar so ein unfassbar intensiver Song wie „On The Esplanade“ (die letzte Minute!).

Auf der anderen Seite wird jeder auch problemlos Julian Plentis Hauptband heraushören können und bisweilen vielleicht sogar manche Songs mit denen von Interpol verwechseln. Da sind sie wieder, die unverkennbaren Refrains wie in „Only If You Run“ oder der Trademark-Bass („Girl On The Sporting News“), welche die Band in den letzten Jahren zurecht zu einer der führenden Institutionen im Indiebereich gemacht haben. Und auch wenn nicht jeder Song auf „Is...Skyscraper“ das ganz große Niveau erreicht, das auf dem Album durchaus häufiger vorhanden ist, so darf man Julian Plenti dennoch zu einer sauberen Sololeistung gratulieren, die zumindest das Warten auf das nächste Interpol-Album spielend zu verkürzen weiß.

Benjamin Köhler

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