Rezension

John Roberts

Glass Eights


Highlights: Dedicated // Porcelain // Went // Glass Eights
Genre: House // Minimal
Sounds Like: Levon Vincent // Christopher Rau // STL // SMALLPEOPLE

VÖ: 08.10.2010

House. Nein, nicht der Doktor, sondern die coole Musik, die immer in Weekday-Stores läuft und bei der man sich dann, während man sich in die engsten Röhrenjeans reinzwängt, fragt, warum man eigentlich dazu nicht mal tanzen geht. Die Antwort: weil House fast ausschließlich nur in Clubs läuft, in die man ohne Botox, Silikon und ordentlicher Toastung nur schwerlich reinkommt. Will man dann unter den Voraussetzungen auch eigentlich gar nicht mehr und schon ist das Thema House wieder abgehakt. Das ist insofern schade, als dass die Musik eigentlich mehr ist, als bloße Boutiquen-Hintergrundmusik und Pappnasen-Beschallung.

House eignet sich nämlich auch ganz vorzüglich für den häuslichen Gebrauch, wenn man mal wieder gedanklich abdriften und sich in eine andere Dimension wegbeamen will. Das beweist gerade jetzt wieder das Debütalbum von John Roberts, das über das renommierte Berliner Label Dial veröffentlicht wird, welches uns dieses Jahr bereits Perlen von Pantha Du Prince oder Efdemin beschert hat. „Glass Eights“ reiht sich da nahtlos ein und erfüllt die hohen Erwartungen, die ein ganzes Musik-Genre an John Roberts bereits Monate im Vorfeld gestellt hatte.

„Das neue elektronische Wunderkind“ war da schon in vielen Fachblättern zu lesen und wenn man in „Glass Eights“ eintaucht, kann man die riesigen Vorschusslorbeeren schon ein wenig nachvollziehen. Sobald nämlich die ersten Takte von „Lesser“ erklingen, entfacht das Album einen hypnotischen Sog, dem man sich nicht mehr entziehen kann und möchte. Die Atmosphäre, die John Roberts in seinen minimalst arrangierten Songs aufbaut, ist unglaublich fesselnd und einnehmend. Dazu bedient er sich zum einen klassischen Drummachines und Loops, doch erst der Einsatz von akustischem Instrumentarium wie Piano oder Oboe macht viele Stücke so richtig außergewöhnlich und hypnotisch.

„Glass Eights“ ist ein Album, das man immer und überall dann auflegen sollte, wenn man mit seinen Gedanken alleine sein möchte. Dann kommt die Melancholie, die diese Platte zu jeder Zeit ausstrahlt, erst richtig zur Geltung und man kann sich unbeschwert darauf einlassen. Natürlich funktioniert das alles auch in der Umkleidekabine und unter Stroboskoplicht prächtig. Wer Geld und Nerven sparen möchte, sollte indes lieber drauf verzichten.

Benjamin Köhler

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