Rezension

Joan As Police Woman

The Deep Field


Highlights: The Magic // Action Man // Kiss The Specifics // I Was Everyone
Genre: Pop // Rock // Soul // R&B
Sounds Like: PJ Harvey // Skin // Cat Power // Al Green

VÖ: 21.01.2011

„Nervous“ leitet „The Deep Field“, Joan Wassers neues Album, ein und klingt dabei ziemlich entspannt: Einfache Trommelrhythmen, leise Synthie-Klänge, Meeresrauschen und undeutlich zu hörender Gesang, der an Menschen erinnert, die am Abend im Licht eines Lagerfeuers am Meeresufer tanzen. So klingen die ersten Töne von „The Deep Field“. Bis Joan Wasser, alias Joan As Police Woman, ihren ersten Satz singt: „I want you to fall in love me!“. Eindeutig, voll und harmonisch klingt ihre Stimme, und erinnert dabei leicht an die von Skunk-Anansie-Sängerin Skin.

Joan Wasser bezeichnet ihr neues Album als ihr bisher offenstes und zugleich fröhlichstes. Darum hat sie es auch „The Deep Field“ genannt. Nach einem Bereich im Weltraum, der ehemals für leer erklärt wurde, in dem man dann aber doch viele Sterne fand. So sei es auch mit den Menschen, meint Joan Wasser. Wenn die in sich hineinschauen, entdecken sie noch viele Seiten oder auch dunkle Geheimnisse, von denen sie vorher nichts geahnt haben. So handeln die Songs auf „The Deep Field“ dann auch von den existentiellen Themen der Menschheit: Liebe, Sex, Tod, Hoffnung und uneingeschränkte Freiheit bestimmen die Texte. Damit hat es sich Joan Wasser nicht leicht gemacht. „I endlessly rewrote the lyrics till they rang true for me”, sagt sie.

Während Joan Wasser früher mit ihrer Violine im Hintergrund für andere Musiker spielte (Anthony and The Johnsons, Rufus Wainwright, Scissor Sisters, Elton John, …) dreht sie mittlerweile den Spieß um und lässt andere für sich musizieren: Für die Aufnahmen nahm sich Joan Wasser allerlei unterschiedliche Musiker ins Studio, um genau den Sound zu kreieren, den sie haben wollte. Dafür mussten unter anderem fünf verschiedene Bassisten ihr Bestes geben. Bei den Aufnahmen verdrängten E-Gitarre und Orgel überwiegend Streicher und Klavier und gaben „The Deep Field“ so Joan Wassers aktuellen Sound.

Der verbindet Elemente aus Soul, Jazz und R&B zu einer oftmals düsteren, erhabenen Einheit. Gleichzeitig überzieht „The Deep Field“ aber auch eine Art Hoffnungsschimmer. Fröhlichkeit und bedingungslose Freiheit, das zu tun, was für richtig gehalten wird, bestimmen „The Deep Field“. Joan spielt immer wieder mit der Vielseitigkeit ihrer Stimme. Dazu gesellen sich zum Beispiel in „Run for love“ eine tiefe, sprechende Männerstimme, mehrstimmiger „aaahhaaaa“-Frauengesang und mit Maschinen erzeugte und dennoch nicht fremd wirkende Klänge. Alles ergibt eine Gesamtheit. „The Magic“, die Vorabsingle zum Album, beweist Joan Wassers Fähigkeit großartige Popmusik zu machen, die gleichzeitig radiotauglich ist, bei der aber dennoch viel dahinter steckt. „I Was Everyone“ beendet das Album schließlich mit einem über sechs Minuten langen, fulminanten Stück Musik, das gegen Ende in unzähligen Gesangslinien übereinander lagert und durch die Orgel und den aus vollem Herzen kommenden Gesang an ein modernes Gospel-Stück erinnert. Joan Wasser geht sichtlich in ihrer neuen Freiheit auf.

Marlena Julia Dorniak

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