Rezension

Jesu

Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came


Highlights: Homesick
Genre: Postrock // Shoegaze // Post-Metal
Sounds Like: Pelican // Red Sparowes // Isis // Russian Circles

VÖ: 27.09.2013

Herbstzeit ist Postrockzeit, möchte man meinen. Kaum werden die Blätter gelb, erscheint ein Album nach dem anderen. Pelican, A Storm Of Light, God Is An Astronaut, EF oder 65daysofstatic, sie alle tauchen plötzlich mit neuem Material auf. Auch Jesu, Band des Godflesh-Gründers Justin K. Broadrick, bringt mit „Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came“ ein ebenso sperrig betiteltes wie auch hörbares Werk heraus.

Nachdem die ersten Veröffentlichungen der Band noch erfrischend neu in ihrem Sound und Stil wirkten, sind Jesu mittlerweile jedoch irgendwie verloren gegangen, verloren zwischen Halleffekten, verzerrten Sounds und Broadricks nöligem Gesang. Der Opener „Homesick“ mag vom Sound noch erträglich sein, spätestens in „Comforter“ oder „Everyday“ übertreiben es Jesu mit My-Bloody-Valentine-Anspielungen. Die Songs wirken zugleich noiselastig und unterproduziert. Man hat das Gefühl, die Gitarren wären mit Absicht schief gestimmt worden, um dann mit schlechtestmöglicher Qualität aufgenommen zu werden. Dazu wirkt Broadrick seltsam unbeteiligt, wie jemand, der im Halbschlaf zufällig auftauchende Worte in ein Mikro spricht. Wenn dazu wie in „The Great Leveller“ zwar der Bass tief und brachial daherkommt, vom Rest jedoch ausgebremst wird, passt nichts mehr zusammen.

„Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came“ fehlt ein Konzept, der Versuch, Noise mit Shoegaze zu verknüpfen, wirkt zu bemüht. Diesem Album fehlen stattdessen musikalische Substanz und Anspruch – beides normalerweise Begriffe, mit denen Broadrick im Genre jahrelang punkten konnte.

Klaus Porst

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