Rezension

Jahcoozi

Blitz'N'Ass


Highlights: Style // Chill Jill // Sit & Chuckle
Genre: Dancehall // Grime
Sounds Like: M.I.A. // The Tape // Bonde Do Role

VÖ: 28.09.2007

From LDN to BLN. Jahcoozis Debüt „Pure Bred Mongrel“ strengte an, gewann aber auf lange Sicht so ziemlich jeden geschmäcklerischen Wettbewerb in meinem Kopf. OK, da mag ein gewisses Maß Buddy-Tum mitspielen, aber das sei mal links liegen gelassen. Der Musikexpress wählte das Album der drei Wahlberliner damals zum Album des Monats – falls ich mich richtig erinnere.

Ansonsten. Wo in der inländischen Wahrnehmung das Bild der Berliner Musikszene von deutschem Aggro-Idioten-Rap bestimmt wird, blickt die internationale Szene staunend, begeistert und vielleicht ebenfalls ein wenig ratlos auf die Berliner Clubs. Zwischen Ellen Alien, DJ Shir Khan, Troy Pierce, Modeselektor und Ewan Pearson haben sich auch Robert „Robot“ Koch (Berlin), Sasha Perera (Sri Lanka, London, Berlin) und Oren Gerlitz (Tel Aviv) aka Jahcoozi ihren festen Platz in diesem Umfeld gesichert. Wo „Pure Bred Mongrel“ noch als vollkommen überraschender Hirnfick gleichberechtigt neben M.I.A.s „Arular“ stand, mangelt es „Blitz’N’Ass“ stellenweise an Spannung und Frische. Wo der ewige musikalische und ethnische Vergleich M.I.A. ihren Grime-Funk auf ihrem zweiten Album in immer weitere Extreme steigert, legen Jahcoozi ein routiniertes, teilweise etwas glatt produziert klingendes Grime-Album vor, das immer nicht zuletzt aufgrund der weiterhin hochklassigen und weiter gereiften Beats und Produktion von Robot und Oren absolut überzeugt, das aber – wie zugegebenermaßen auch das Debüt in den ersten Wochen und Monaten – unter den (gezwungen) lustig bis sinnlos daher kommenden Lyrics leidet.

Ganz subjektiv brauchen Debüt wie Zweitling Reifungszeit, sprengen rein musikalisch auf lange Sicht so ziemlich jede Synapse. Das Bewundernswerte dabei ist, wie harmonisch und unauffällig Einflüsse verarbeitet werden. Wie im Bereich elektronischer Musik nicht unüblich, klingt vieles vertraut in Beats und Bass, verzückt dabei dennoch – oder gerade deshalb. Ohne jedes Festhalten an Traditionen oder Roots werden Genres wie Ragga, HipHop, Jungle, Techno, Electro, Rave vermischt und dabei Musik produziert, die allein auf den Tanzflur zielt, die nur und ausschließlich dazu da sein will, dass wir eine gute Zeit haben.

Am ehesten Grime seiend, sucht „Blitz’N’Ass“ Berlin als Club-Hochburg jenseits von Techno auf die Landkarte zu stempeln. Das Album stellt für das Genre sicher keinen Quantensprung dar, beweist jedoch einmal mehr, wie innovativer HipHop – nicht nur aus dem UK – klingen kann, klingen sollte, um diese Genrefamilie nicht komplett langweilig werden zu lassen.

Oliver Bothe

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