Rezension

Hejira

Thread Of Gold


Highlights: Joyful Mind // A Taxi Man
Genre: Soul // Pop // R´n`B
Sounds Like: Ibeyi // Rosie Lowe // Asnaqètch Wèrqu

VÖ: 22.02.2019

Nach dem Tod ihres Vaters hat sich Sängerin Rahel Debebe-Dessalenge gemeinsam mit ihrer Band auf den Weg in dessen Heimatland Äthiopien gemacht, um sich selbst und ihre Wurzeln zu ergründen. Dort erfuhr sie nicht nur mehr über ihre Familiengeschichte, sondern auch über die musikalischen Traditionen des Landes. Auf „Thread Of Gold“ sind all jene Eindrücke zu hören, die die Reise und die Erkundung mit sich gebracht haben.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass die Texte und die Musik des Albums unter die Haut gehen. Hejira haben ein wunderschönes Werk geschaffen, das seine eigene Art von Pop und Soul entfaltet – mit spirituellem und unvorhergesehenem Einschlag. Die Singleauskopplung „The Joyful Mind“ beginnt mit Gesängen von Pilger*innen, die die Ankunft ihrer Wanderreise feierlich besingen. Über die Fieldrecordings gelegt erklingt aber bereits die Streichermelodie, die den Song hindurch zu hören ist. Debebe-Dessalenges besingt darin mit klarer und fröhlicher Stimme das gute Leben – welches in jedem einzelnen Moment gelebt werden sollte, bevor es vorbei ist. „Do whatever you need to free yourself“ wird am Ende des Songs als weiser Ratschlag mit auf den Weg gegeben.

Während „The Joyful Mind“ eher leicht und fröhlich wirkt, sind auch bittersüße und traurige Momente auf dem Album zu finden. Lieder über Ungewissheiten, Fragen der Zugehörigkeit, Ängste und die Verarbeitung der eigenen Vergangenheit. Oftmals schlägt dann aber, wie in „Ribs“, die Stimmung im Song um – aus der Melancholie heraus beginnt ein Licht zu leuchten, der Gesang wird klarer und leichter, die Instrumentierung bekommt einen Funkeinschlag.

Die Band Hejira wurde vor bereits neun Jahren gegründet, nachdem Rahel Debebe-Dessalenge, Sam Beste und Alex Reeve in verschiedensten Jazz-Formationen und Big Bands gespielt und mit Künstler*innen wie Amy Winehouse, Nitin Sawhney, Floating Points und Eric Lau zusammengearbeitet haben. Als die Drei sich trafen, bemerkten sie schnell die Einzigartigkeit und Magie ihres Zusammenspiels und beschlossen, von da an gemeinsam Musik zu machen. Sie haben ihr Londoner Studio „The House Of Dreams“ benannt und laden dorthin immer wieder gerne verschiedenste musikalische „Geschwister“ zum Musikmachen ein. Die eigene Musik und auch die der sogenannten Geschwister veröffentlichen sie seit 2016 über ihr Label Lima Limo Records, das sie nach einer Gebirgskette im Norden Äthiopiens benannten.

Hejiras Musik strahlt eine zarte Melancholie und durch diese Wärme und Trost aus – bietet mit Funk- und R’n’B-Einschlägen aber auch immer wieder fröhliche und leichte Momente. „Thread Of Gold“ erzählt nicht nur von der Reise der Band und der Verarbeitung ihrer eigenen Erfahrungen – das Album verhilft auch den Hörer*innen ein wenig, zu sich selbst zu finden.

Marlena Julia Dorniak

Sehen


I Don´t Belong To Anyone
Joyful Mind

Hören


Ribs

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.