Rezension

Hayley Williams

Petals For Armor


Highlights: Simmer // Dead Horse // Roses/Lotus/Violet/Iris
Genre: Pop
Sounds Like: Paramore // Now, Now

VÖ: 08.05.2020

Wem die Stimme auf „Petals For Armor“ bekannt vorkommt, der Name dem Gedächtnis allerdings nicht auf die Sprünge verhelfen mag: Hayley Williams ist Sängerin und Frontfrau der Band Paramore und veröffentlicht nun ihr erstes Solo-Album. Viel Pop, viele Blumen und dennoch (oder gar deshalb) ein gelungenes Debüt mit einer etwas anderen Prise Emo.

„Petals For Armor“ heißt Hayley Williams Debüt, übersetzt bedeutet das etwa so viel wie „Blütenblätter als Rüstung“. Klingt nach einem Ding der Unmöglichkeit, muss es aber nicht unbedingt sein. In einem Interview mit The Guardian beschreibt Williams, dass Verletzlichkeit eine ihrer größten Waffen geworden sei. Die Erzählung der sich offenbarenden Künstlerin mag etwas abgenutzt wirken, nichtsdestotrotz verliert sie eigentlich nicht an Bedeutung. Denn Themen wie depressive Episoden, die Williams bereits seit Längerem begleiten („Dead Horse“), die Suche nach einem eigenen Ausdruck von Weiblichkeit („Cinnamon“), die Trennung vom Ex-Ehemann („Taken“) und jahrelang in sich hineingefressene Scham („Over Yet“) haben die Arbeit am Debüt stark beeinflusst. Es scheint, als hätte sich Williams von radical softness leiten lassen – also der Idee, dass Stärke ganz unterschiedlich aussehen kann und mitunter eben auch Verletzbarkeit meint. Ein floraler Schutzschild ergibt so wieder ein stimmiges Bild, wie Williams selbst in „Roses/Lotus/Violet/Iris“ besingt: „And I will not return // To where I once was // Well, I can break through the earth // Come out soft and wild.“

Soft geht es auch weiter: Denn die beiden letzten Alben von Williams' Band Paramore haben bereits den Trend weg von ihren Alternative/Emo-Ursprüngen hin zu poppigeren Sounds vorgezeichnet und diesem folgt Williams nun auch auf ihrem Debüt. Dabei sind die Songs weniger von pastellfarbenem Bubble Gum geprägt (Entwarnung: keine Ukulele!) als von einer erwachsener wirkenden, vielleicht etwas arty Form von Pop: etwas Atem-Geräusche hier, ein wenig komplexere Rhythmen und Synths da. Was natürlicherweise alle Tracks trägt, ist Williams einzigartige Stimme, die – im Langsamen und Schnellen, im Hohen und Tiefen – nur überzeugen kann. Pop funktioniert für Williams ziemlich gut (wie sie mit dem ein oder anderen Feature in der Vergangenheit bereits unter Beweis stellte).

Wer im Botanik-Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass Blumen zum Sprießen und Gedeihen (neben Wasser und Licht) vor allem eines brauchen: Platz. Und genau diesen nimmt sich Hayley Williams mit und auf ihrem Solo-Debüt. Getreu dem Motto „So come and look inside of me // Watch me while I bloom“ können wir ihr auf „Petals For Armor“ regelrecht beim Aufblühen zuhören.

Nicole Dannheisig

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Video zu "Cinnamon"
Video zu "Simmer"

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Audio zu "Roses/Lotus/Violet/Iris"

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