Rezension

Hayden Thorpe

Diviner


Highlights: Love Crimes // In My Name // Anywhen // Impossible Object
Genre: Singer/Songwriter // Pop
Sounds Like: Wild Beasts // Perfume Genius // Anohni

VÖ: 24.05.2019

Kein Zweifel: Die Wild Beasts waren eine der prägendsten Indie-Bands der letzten zehn Jahre. Umso größer war zuerst der Schock, als das Quartett Ende 2017 die Auflösung bekannt gab. Rückblickend betrachtet musste aber eigentlich niemand wirklich traurig sein (okay, vielleicht zu Beginn ein bisschen). Mit Tom Fleming und Hayden Thorpe verfügte die Band aus dem Nordwesten Englands schließlich über gleich zwei Ausnahmesänger, die im Prinzip geradezu prädestiniert für Soloausflüge waren. Letzterer macht jetzt mit „Diviner“ den Anfang.

Und herrje, ist das Debüt von Hayden Thorpe schön geworden! Fast wäre man dazu geneigt zu sagen: „Na hätten sie sich mal früher getrennt!“ „Diviner“ ist die schönste Ballade der Wild Beasts mal zehn. Vom Sound her wirklich nicht weit weg von der ehemaligen Band, aber natürlich wesentlich pianolastiger. Es ist auch unglaublich schwer, wirkliche Highlights auszumachen, weil die Songs wunderbar ineinander überfließen und das Album als Ganzes wahnsinnig gut funktioniert. Ungewöhnlich für ein Album, das eher dem vermeintlich „simplen“ Popgenre zuzuordnen ist.

Über allem schwebt natürlich Thorpes nach wie vor herausragender Falsett, der hier auch ohne Flemings stimmliche Unterstützung problemlos funktioniert. Für Hayden Thorpe selbst war die Abnablung von den Wild Beasts eine nicht ganz einfache Geschichte. Erstmals musste er vieles und vor allen Dingen sich selbst gründlich hinterfragen: „I broke up with myself. So this is a break-up album, but not about a relationship. It’s a break-up from a past self, it’s a breakup from the old idea of yourself and therefore every relationship, of all kinds, that you’ve ever had.”

Diese zutiefst schmerzhafte Aufarbeitung und den daraus resultierenden Heilungsprozess hat Hayden Thorpe mit „Diviner“ so perfekt vertont, wie es eben nur geht. Ein durch und durch intimes Album, das es einfach verdient, aufmerksam gehört zu werden. Und zwar in seiner vollen Länge und in korrekter Reihenfolge der Songs. In Zeiten von Spotify... Ihr wisst schon. Erst dann entfaltet sich dieses vielleicht etwas überraschende Jahreshighlight in vollem Umfang. Die Messlatte für den ehemaligen Bandkollegen ist damit auch verdammt hoch angelegt. Sie sind dran, Herr Fleming...

Benjamin Köhler

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