Rezension

Grand:PM

Party In Your Basement


Highlights: Red Black // God Save The Scene // Your Favourite Little Lies
Genre: Pop-Rock
Sounds Like: Whigfield // Karpatenhund

VÖ: 25.01.2008

Es gibt Bands, die man sich eigentlich gar nicht erst anhören muss, um den Klang ihrer Musik mit relativ hoher Treffsicherheit beschreiben zu können. Hierfür reichen oft Aspekte wie Bandname (Siehe die Invasion britischer The-Bands) oder Aussehen des Frontmannes (Menge des Mascaras in der Visage ist proportional zum Emocore-Anteil in der Musik). Bei Grand:PM reicht für grobe Einsortierungen eigentlich bereits ein Blick auf das Albumcover, auf dem eine freizügig gekleidete, großbusige Krankenschwester ihre Vorzüge präsentiert. Hinter ihr eine Band, die euphorisch auf Gitarre, Keyboard und Drums einhämmert. Der Titel des Albums: "Party In Your Basement" - ein Gesamteindruck, der als spontane erste Assoziation wohl weder "Epische Gitarrenwände" noch "Feinfühliger Singer-Songwriter" aufkommen lässt.

Mitnichten: Bereits mit den ersten Tönen des Openers "Red Black" überfällt "Party In Your Basement" den Hörer wie eine Horde Kindergartenkinder den Clown, der zu Klein-Justins fünftem Geburtstag eingeladen wurde. Quietschige Keyboardmelodie folgt auf quietschige Keyboardmelodie, ein putziger Singalong jagt den nächsten, purzelt dabei über ihn rüber und schrammt sich das Knie auf. Auch "God Save The Scene", "Stephanie" sowie das nur knapp einmütige "Waste Of Time" funktionieren ähnlich und wecken Erinnerungen an die wilden Mittneunziger, als Barbiepuppen wie Whigfield und Blümchen die Speerspitze discotauglicher BRAVO-Musik bildeten. Wer sich davon nicht stören lässt, findet in diesen Songs jedoch eingängige Popstücke, die ähnlich Spaß machen können wie die Wiederentdeckung und -benutzung alter Spielsachen, die man seit der Kindheit nicht mehr gesehen hat.

Anscheinend verausgaben sich Grand:PM live jedoch tatsächlich so wie auf dem Albumcover und trauen sich deswegen wohl nicht, nur Uptempostücke in ihrem Repertoir zu haben. Anders wäre es zumindest schwer zu erklären, dass die Kanadier ihr bewährtes Rezept, mit dem sich immerhin kalorienreiche Bonbonmusik zaubern lässt, auf Stücken wie "Do Over" und "Back In The River" zwangsläufig variieren und Valium in die Zuckermischung kippen müssen. Besagte Songs bemühen sich wahrscheinlich, so etwas wie die Quotenballaden zu sein, schaffen es jedoch nicht wirklich über das musikalische Ultrakurzzeitgedächtnis hinaus. "Favourite Little Lies" wiederum hätte Dave Grohl während seines Stimmbruchs geschrieben haben können (insofern ihm damals ein Keyboard zur Verfügung gestanden hat), der groovende Titeltrack "Party In Your Basement" schließlich zerrt auf die Tanzfläche, obwohl man - sexy Krankenschwester hin oder her - auch hier das Gefühl nicht los wird, dass auf einer Party prototypischer Grand:PM-Anhänger eher Alkopops als Hartalkohol serviert und dass statt freizügigem Rumgefummel lieber erst mal Flaschendrehen gespielt werden würde.

Als gemeinsamer Nenner des gesamten Albums lässt sich in letzter Konsequenz eine gewisse - nennen wir sie "kindliche Unschuld" erkennen, die Grand:PM sich bewahrt zu haben scheinen und die sich deutlich in ihrem Songwriting niederschlägt. Als kleiner Gute-Laune-Katalysator für zwischendurch funktionieren viele der Songs auf "Party In Your Basement" dementsprechend recht gut, verlieren jedoch ziemlich schnell auch wieder ihren Reiz und wecken den Wunsch nach substanzvollerer Musik. Macht aber ja nichts: Man kann sich schließlich ja auch nicht nur von Zuckerwatte ernähren.

Jan Martens

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