Rezension

Glasser

Interiors


Highlights: Shape
Genre: Indietronic
Sounds Like: London Grammar // Emiliana Torrini // Florence & The Machine

VÖ: 04.10.2013

Wer Glasser nicht kennt, dem liefern eine Reihe bekannter Namen eine sinnvolle Einordnung, welchen Stil die Band zu fahren scheint. Mit dem Produzenten von Fever Ray an Bord, durch touren mit The XX oder Jonsí von Sigur Rós soll die Nähe zu anspruchsvollen, sphärischen Sounds suggeriert werden. Vertraut man allerdings dem Namedropping, ist „Interiors“ eine Mogelpackung. Glasser spielen astreinen Indiepop, meist ruhig, balladesk, bei dem sich Sängerin Cameron Mesirow von einem Softelektrobeat zum nächsten haucht. Zielgruppe sind klar jene, die Emiliana Torrini oder Anna Ternheim und dazu eingestreute elektronische Soundschnipsel als Untermalung mögen.

Glasser haben einen deutlichen Hang zum Pop, so richtig zünden will das Album allerdings nicht. Unter anderem deshalb, weil „Interiors“ im Gegensatz zu Fever Ray oder The XX keine eigene Atmosphäre besitzt, sondern nur ein paar nette eingängige Beats aneinanderhängt, über denen Frau Mesirow ihre Gedanken zu Luft und Liebe ausbreiten darf. Garniert, etwa in „Keam Theme“ oder dem furchtbaren „New Year“, wird dies mit dem Einsatz typischer 80er-Keyboard- oder Bläsersounds.

„Interiors“ ist harmlos, daran ändern auch ein paar experimentelle Spielereien, die immer mal wieder zwischen den Songs auftauchen („Window I, III, II“), nichts. Glasser gelingt es einfach nicht, verschiedene eingängige Melodien zu etwas zu verbinden, was hängen bleibt. Die Titelfolge „Shape – Design – Landscape – Window“ beschreibt in wenigen Worten ganz gut, was das Hauptproblem der Band ist: Glasser sind beliebig. Wo Sigur Rós isländische Urgewalten abbilden oder Fever Ray die dunklen Tage Schwedens vertonen, sind Glasser der voreingestellte Windows-Desktophintergrund. Auf den ersten Blick ganz nett, auf den zweiten sieht man jedem Pixel an, wie künstlich es erzeugt wurde.

Klaus Porst

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