Rezension

Gidge

Autumn Bells


Highlights: You // I Fell In Love // Dusk // Norrland
Genre: (Minimal)-Elektro
Sounds Like: Kiasmos // The Field // Jon Hopkins

VÖ: 26.09.2014

Auch wenn die „Autumn Bells“ mittlerweile wohl schon längst verklungen sind, hallt das Debüt-Album von Gidge noch gewaltig nach. Der Sound des schwedischen Duos ist eben nicht unbedingt auf eine einzige Jahreszeit fokussiert, sondern funktioniert auch bei Eiseskälte und bestimmt ebenso gut im nächsten Sommer. Naturverbundenheit könnte man Gidge trotzdem „unterstellen“, wenn in zahlreichen Samples Flüsse, Regentropfen oder der Wind zu ihrem Einsatz kommen. Bewusst geben Ludvig Stolterman und Jonatan Nilsson organischen Elementen viel Raum, um mit ihren elektronischen Klängen zu harmonieren.

Keine Angst, „Autumn Bells“ driftet zu keiner Zeit ins Esoterische ab, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte. Es dominieren die typischen Versatzstücke minimalistischen Elektros. Die analogen Spielereien sind „nur“ die Farbtupfer. Das kann ein kraftvolles Horn sein („Norrland“), orientalische Instrumente („Dusk“), sehr schöne Vocal-Samples oder die bereits angesprochenen Protagonisten aus Wasser und Wind.

Ähnlich wie bei den nordischen Kollegen von Kiasmos entsteht so ein Klanggebilde, das gleichermaßen unglaublich entspannend ist, aber auch durchaus zum Tanzen taugt. Einige Songs verschmelzen dabei geschickt beides, indem zwischendrin ein Cut erfolgt und dann entweder das Tempo angezogen oder stark gedrosselt wird. Das ist nicht jedermanns Sache, schließlich kann dadurch der Eindruck entstehen, dass man die Ideen nicht ganz zu Ende gedacht hat. Andererseits folgen viele Stücke wiederum einem stark repetitivem Muster, wie es z.B. auch The Field anwendet.

Wie auch immer, der Glanz von „Autumn Bells“ bleibt in beiden Fällen ungetrübt, denn Gidge verstehen es einfach, schöne Harmonien und Melodien zu kreieren. In Skandinavien scheint das 2014 wohl besonders gut zu klappen. Und da sage mal einer, die da oben würden nur Black Metal können.

Benjamin Köhler

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