Rezension

Gang Gang Dance

Eye Contact


Highlights: Adult Goth // Glass Jar
Genre: Spacepop
Sounds Like: These New Puritans // Caribou // The Killers

VÖ: 13.05.2011

Indietronic ist Indietronic und Progressive Rock ist Progressive Rock. Verbindungen gibt es selten, kaum jemand käme auf die Idee, beides miteinander zu verknüpfen. Auf der einen Seite Strophe-Refrain-Strophe-Songs, gerade so an der drei-Minuten-Marke und auf der anderen ausufernde, komplexe und spät auf den Punkt kommende Epen. Insofern sind Gang Gang Dance seit jeher etwas Besonderes, da sie enau das tun, was sich nach diesen Zeilen andeutet: Die Zusammenkunft von beiden Stilen auszuleben. Fröhlich lockere Gitarrenspielereien und natürlich 80er-Keyboard in zweistelliger Minutenlänge? Wer soll denn sowas ertragen?

So ungewöhnlich ist diese Idee nicht, zumal Gang Gang Dance in „Glass Jar“ einfach fünf Ideen für gute Songs verarbeiten und diese in elf Minuten packen. Recht kurzweilig ist das Resultat, so dass die Länge gar nicht so bemerkbar ist. Wie in diversen Progressive-irgendwas-Strömungen üblich, folgt darauf auch gleich ein kurzes Zwischenspiel und „Adult Goth“, das Gitarrensoli in atemberaubenden Höhenspitzen marschieren lässt. Ein elektronisch erzeugtes, chinesisch anmutendes „Glockenspiel“ dazu, obendrauf der sirenenhafte Gesang von Frontfrau Lizzi Bougatsos – das Resultat ist beachtlich. Zumal alles mithilfe von typischen „Elementen“ eingängiger Indiemelodien geschaffen wurde.

Leider kann diese Qualität nicht auf Dauer gehalten werden. „Eye Contact“ verflacht gegen Ende zusehends. Ein Grund hierfür ist der anstrengende Gesang von Bougatsos, der stellenweise klingt wie eine japanische Comicfigur – sehr hoch, sehr überdreht. Dadurch werden starke Songs wie das experimentelle „Thru And Thru“ vollends für den durchschnittlichen Hörgebrauch unmöglich. Dass sie in der Lage ist, ziemlich variantenreich zu singen, beweisen vor allem die ersten Stücke des Albums. Aber warum eine solche Fixierung auf hohe Tonlagen erfolgen muss, bleibt wohl Geheimnis der Band. So wird „Eye Contact“ trotz der vielen, interessanten Ansätze, streckenweise zur Qual.

Klaus Porst

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