Rezension

Friedrich Paravicini

Mr. Mandom


Highlights: -
Genre: Westernsoundtrack
Sounds Like: Ennio Morricone // Nick Cave & Warren Ellis // Earth

VÖ: 26.08.2011

Neues aus der Kategorie “Soundtracks zu Filmen, die nie gedreht wurden“: "Mr. Mandom" von Friedrich Paravicini. Einmal kurz die Augen schließen und schauen, welche Assoziationen das Gehirn unter "Western" abgespeichert hat – schon sind sie alle wieder da: die Filme, mit denen vor einem halben Jahrhundert Männer wie Charles Bronson oder John Wayne einen mehr oder minder zweifelhaften Ruf erwarben. Noch heute kann fast jeder Erwachsene musikalische Themen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ nachpfeifen. Der Komponist Friedrich Paravicini nahm sich nun dieses Themas erneut an, nachdem er einen ungarischen Arbeiter traf, der jede Pose, jeden Gesichtszug Bronsons nachlebte – und das im Jahr 2009. Grund genug für ihn, schon einmal die Musik für einen Film zu schreiben, in dem dieser die Hauptrolle spielen muss.

Das Resultat ist so eindeutig wie faszinierend. Paravicini fährt das volle Klischeeprogramm – ausladende Streicherpassagen, harte, staubtrockene Gitarrenriffs, die meilenweite Einsamkeit der vom Wüstenwetter gegerbten Männer. Ob dieser Soundtrack nun 2009 oder 1963 entstanden ist – die Entscheidung fiele beim ersten Hören schwer. Eine musikalische Neuerfindung ist das Werk natürlich nicht – wie auch, wenn man ein Feld beackert, auf das seit Jahrzehnten kein Regen gefallen ist? Aber genau das mag für den Hörer einen Anreiz geben, einfach mal bedenkenlos zugreifen zu können und die Musiksammlung um die Sparte Westernsoundtracks bereichern, ohne dass man dafür lexikalisches Wissen über Filme und Komponisten sammeln muss, die mittlerweile schon der Großelterngeneration angehören. Schade nur, dass Paravicini sich kaum Zeit nimmt, den Hörer lange in diese Welt eintauchen zu lassen, nach etwas mehr als einer halben Stunde ist bereits Schluss. Dieser Zeitraffer ist wenig angesichts dessen, dass solche Filme in der Vergangenheit schon mal drei Stunden und mehr dauern konnten. Dreißig Minuten – normalerweise die Zeitspanne für den Showdown.

Klaus Porst

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