Rezension

F.S.K.

Freiwillige Selbskontrolle


Highlights: Nokturn // Vogue Vogue // A Taste Of Honey
Genre: Pop
Sounds Like: JaKönigJa // The Fall // Fink

VÖ: 22.02.2008

Spröde, sperrig, gut. Einmal mehr, zum wievielten Mal auch immer, präsentieren Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K., FSK) auf ihrem aktuellen selbstbetitelten Album ihr durchaus eigenwilliges Verständnis von Popmusik. Wie immer nicht einfach zuzuordnen, zeigt sich die Band hier jedoch zwar zwischen allen Stühlen, doch vor allem sehr zugänglich.

Vielleicht, weil „Freiwillige Selbstkontrolle“ wie JaKönigJas „Seilschaft der Verflixten“ von Ted Gaier und Mense Reents im Art Blakey Studio der Goldenen Zitronen produziert wurde, erscheinen beide Alben wie zweieiige Zwillinge, deren Stärke vollständig nur gemeinsam erkennbar ist. Anders als JaKönigJa erscheinen FSK auch auf ihrem neuesten Werk vordergründig unpoppig und Lo-Fi. Das jedoch tut der Intensität des Albums keinen Abbruch.

Natürlich überzeugen am schnellsten die offenbaren Popsongs: „Nokturn“, „Vogue Vogue“, „Belvedere“ und „A Taste Of Honey“. Doch der Reiz des Albums erschließt sich eben nicht allein durch deren sich wiederholenden Tanzflächenhymnencharakter, durch Thomas Meineckes und Michaela Meliáns schrägen Duett- und Wechselgesang oder durch ebenso schlaue wie verquere Textkonstruktionen.

Vielmehr ist es die Balance aus diesem scheinbar abweisendem Pop und den nicht unpoppigen, experimentelleren Stücken, die aus „Freiwillige Selbstkontrolle“ ein gutes Album und aus dessen Wechselwirkung mit JaKönigJas aktuellem Werk ein so spannendes Erlebnis machen. „Aeropuerto Internacional Maria Montez“ verkörpert einerseits die Bandgeschichte selbst, summiert zudem jedoch deutsche Musik von Krautrock über Punk und Postpunk bis zur Hamburger Schule und deren elektronische Peers. Eine Charakterisierung, die so auch auf „Größte Koalition“, „Coupé“ oder „Virginia Beach“ anwendbar wäre.

Eine solche „intellektuell eierköpfige“ Interpretation impliziert, FSK hätten sich mit diesem selbstbetitelten Werk in gewisser Weise ein Denkmal setzen wollen, das ihre Bedeutung für aktuelle deutsche Musik und ihre Verwurzelung in Postpunk und Krautrock demonstrieren sollte. Das ist natürlich Schwachsinn. Einerseits entspräche es nicht der Band, sich irgendwo vorzudrängen (Bedeutung) noch sich irgendwo festlegen zu wollen (Verwurzelung), andererseits überhöhte es das Album, das doch vor allem ein Pop-Album ist. Es als Zusammenfassung zu sehen, darf also nur zwei Dinge sein: Werbung für das Album, da es so viele Anknüpfungspunkte bietet, und Aufforderung, über das Album hinaus die Augen zu öffnen für die Vielfalt internationaler Musik aus Zentraleuropa der letzten dreißig Jahre.

Oliver Bothe

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