Rezension

Ex Hex

It's Real


Highlights: Tough Enough // Good Times // Diamond Drive // Another Dimension
Genre: Glam Rock // Stadionrock // Garage Pop
Sounds Like: Wild Flag // The Runaways // Cheap Trick

VÖ: 22.03.2019

Mary Timony, Betsy Wright und Laura Harris müssen sich selbst und uns lange nichts mehr beweisen: Seit den frühen Neunzigern sind die drei in verschiedenen Indie-Bands wie Helium oder Wild Flag aktiv. Aufhören? Für Schwächlinge. Als Ex Hex drehen die drei nun nach fünf Jahren Funkstille mit „It’s Real“ eine Ehrenrunde.

Als Frauenband wird man leicht in die introspektive Schublade gesteckt. Klar: Viele momentan angesagte Bands setzen sich mit der Frage, was es bedeutet, in der heutigen Zeit Frau zu sein, auseinander. „It’s Real“ verweigert sich einer solchen Kategorisierung. Anstatt die Gegenwart aufzugreifen, führen Ex Hex zurück in die Zeit der großen Glam- und Stadionbands. Und sobald die Anfangsakkorde von „Tough Enough“ anrollen, wird der Hörer in Richard Linklaters „Dazed And Confused“, eine Liebeserklärung an den letzten Schultag vor den Sommerferien, versetzt, high fived bierstechende Teenies aus „Heavy Parking Lot“ und zertrümmert Jugendzimmer zu den Runaways, Cheap Trick und Kiss. Ex Hex sind larger than life und während „Good Times“ oder „Another Dimension“ mit ihrer ganzen großartigen Stupidität und Melodiösität über einen hereinbrechen, vergisst man fast, dass man hier eigentlich einer Musik aufläuft, die generell als geschmacklos, plump und hedonistisch abgewatscht wird. „It’s Real“ klingt so, als hätte es Kurt Cobain, Prozac und die alternative Musikrevolution nie gegeben. Oder um es mit Micky Rourke aus dem großartigen Film „The Wrestler“ zu sagen: „I hate the fucking Nineties.“

„It’s Real“ ködert mit Hooks, eingängigen Refrains und dem nötigen instrumentalen Talent, ist wuchtig produziert und besitzt die richtige Attitüde, um nie zu einer müden Parodie der hier gewählten Vorbilder zu verkommen. Leider, und hier liegt das große Problem dieses Albums, hat der Erstling „Rips“ das auch schon getan. „It’s Real“ ist lediglich ein schmackhafter Nachschlag. Wer Lust drauf hat: Unbedingt reinhören.

Yves Weber

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