Rezension

Everlaunch

Suburban Grace


Highlights: Picturefreak // Seesaw // Setting Sun
Genre: Indierock
Sounds Like: Slut // Placebo

VÖ: 24.07.2009

Wie heißt es immer so schön? "Support your local scene! Unterstütz die Nachwuchsbands deiner Umgebung! Was brauchen wir andauernd den heißesten Scheiß aus dem UK, wenn vor unserer Nase mindestens ebenso gute Bands heranwachsen?" Und so hat wohl jeder DIE eine Band aus dem mehr oder weniger nahen Umkreis, der jeder den Durchbruch gönnt, die im Jugendzentrum jegliche Emocore- und Schrammelpunkkonkurrenz an die Wand spielt, deren jeder nächster Schritt auf der Karriereleiter - Vergrößerung des Tour-Radius, Supportslot für etablierte Namen - frenetisch gefeiert wird. Für den Rezensenten hieß diese Band Everlaunch.

Everlaunch, das waren die Helden des "Padam" in Riepe und "Plastic Affairs" die EP, die den Landkreis Rotenburg/Wümme stolz auf seine Scheeßeler Jungs sein ließ. Da die Band auch live stets gefiel, freute man sich anno 2006 über den Auftritt auf dem Hurricane Festival und war diesen Februar begeistert, als die Band Oasis in der Düsseldorfer Philippshalle supporten durfte. Nun erscheint das Debütalbum "Suburban Grace", mit ALIVE ist auch ein ordentlicher Vertrieb gefunden und Everlaunch, Hecht im lokalen Karpfenteich, schwimmt endgültig in's große Meer hinaus.

Problematisch ist nur: In diesem Meer schwimmen natürlich noch ganz andere Fische. Gezwungen, sich nicht von lokalpatriotischer Verblendung leiten zu lassen und Everlaunch nicht mehr mit klangvollen Nachbarbands wie Mavie oder Risk Of Addiction, sondern mit Genre"konkurrenz" wie Placebo und Slut zu vergleichen, kommt der Rezensent zu der Einsicht: Viel mehr als eine okaye Indierockband sind Everlaunch eigentlich auch nicht.

Das ist natürlich nicht schlimm, gemessen daran, wie viele außerordentlich schlechte Indierockbands es auf der Welt gibt, die dazu häufig auch noch ungerecht viel Aufmerksamkeit erhalten. Auf "Suburban Grace" hingegen ist jeder Song zumindest wirklich nett - doch was die Verwandtschaftsverhältnisse dieses Adjektivs im schlimmsten Fall sein können, wissen wir ja auch alle. Und so sind Songs wie "Sit And Wonder" oder das leicht überschmalzte "Waiting" dann auch nach einmaligem Hören eigentlich abgehakt.

Und der Rest? Zu verorten - wie bereits angedeutet - irgendwo zwischen Placebo, Slut, Blackmail, ohne wirkliche sonstige Ausfälle nach unten und mit einigen nach oben. Die erste Single "Run Run Run", die Everlaunch gerne auf MTV gepusht haben möchten, gehört nicht dazu, potentielle Hits wären vielmehr "Picturefreak" und "Seesaw" - beide sind zudem nochmal als "Piano Version" beziehungsweise "Unwired Version" ans Ende des Albums gestopft. Mag man für unnötig halten oder nicht, gelungen sind beide Versionen zumindest, und man kann es Everlaunch auch gönnen, bei ihrem ersten Album mal mit solchen Spielereien auf die Kacke hauen zu wollen. Vielleicht gibt es in den heutigen Zeiten ja auch keine Möglichkeit mehr, Album #2 einmal zu veröffentlichen. Oder aber es kommt ganz anders und Everlaunch spielen in ein paar Jahren selber in der Philippshalle. Zu wünschen wär's ihnen. Go local scene!

Jan Martens

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