Rezension

Emma Ruth Rundle

On Dark Horses


Highlights: Dead Set Eyes
Genre: Post-Rock // Folk
Sounds Like: Chelsea Wolfe // Red Sparowes // Sharon Van Etten

VÖ: 14.09.2018

Für Insider sollte Emma Ruth Rundle kein unbekannter Name sein. Für alle, die sich nun in ihrer Musikkenner-Ehre gekränkt fühlen, sei der musikalische Werdegang der amerikanischen Songwriterin hier nochmal kurz skizziert: Aufgewachsen in Los Angeles gründete sie 2007 ihr erstes Bandprojekt The Nocturnes in Neuseeland, bevor es zurück in die Staaten ging und sie Teil der Post-Rock-Supergroup Red Sparrows wurde (unter anderem mit Mitgliedern von ISIS und Neurosis). Anschließend veröffentlichte sie zwei Alben mit dem Experimental-Post-Rock-Trio Marriages sowie mehrere Solo-Alben. „On Dark Horses“ ist das vierte Album, das die umtriebige Musikerin unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht und steht stilistisch für ihren ganz eigenen Sound. Ein monströser Mix aus Post-Rock und düsterem Folk.

Folk war stets die geistige Heimat von Emma Ruth Rundle, auch wenn ihre bisherigen Bandprojekte eher finster und gitarrenlastig klangen. Dies führt sie auch auf „On Dark Horses“ fort. Das Album erscheint passenderweise auf dem amerikanischen Post-Rock/Post-Metal-Label Sargent House. Emma Ruth Rundles Düster-Folk erinnert durch die Schwere und die bedrohliche Grundstimmung an den Sound von Labelkollegin Chelsea Wolf, auch wenn auf „On Dark Horses“ immer mal wieder kleine Fünkchen Licht durch das düstere Dickicht aus verzerrten Gitarren scheinen. Die acht Songs auf „On Dark Horses“ walzen sich durch das Album auf einem Klangteppich aus verhallten Post-Rock-Gitarren, nachhallenden Becken und schwermütigen Rhythmen.

Unheimlich und erhaben führt Emma Ruth Rundles präsente Stimme durch die Songs, nimmt die Hörer an die Hand, geleitet sie durch die ruhigen, atmosphärischen Parts und entlässt sie dann in einem Gewittersturm aus monströs-finsteren Gitarren und Schlagzeug. Lediglich „Races“ bleibt ohne musikalischen Ausbruch, sondern lebt von der gefühlvollen Stimme und den atmosphärischen Soundflächen. Gleich darauf zieht einer der stärksten Songs („Dead Set Eye“) die Intensität wieder an und offenbart sogar Ohrwurmpotential – einer dieser Momente, in denen Rundles Folk-DNA sich für einen kurzen Moment an die Oberfläche kämpft, bevor das Geröll aus Gitarren sie wieder verschluckt.

Das besondere an „On Dark Horses“ ist, dass Emma Ruth Rundle die Hörer über die gesamte Albumlänge in ihr ganz eigenes Universum entführt und sie dort zur selben Zeit besänftigt und verschreckt, umarmt und abstößt: ein intensives 42-minütiges Hörerlebnis. Spätestens jetzt sollte der Name auch über Insiderkreise hinaus die Runde machen.

Abhilash Arackal

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