Rezension

Earth

A Bureaucratic Desire For Extra Capsular Extraction


Highlights: Ouroboros Is Broken
Genre: Doommetal
Sounds Like: Sunn O))) // Bohren & der Club Of Gore // Eagle Twin // Melvins

VÖ: 24.12.2010

Pünktlich zu Weihnachten werden sie wieder herausgekramt. B-Seiten, alte Hits, Best-Ofs, Box-Sets. Jede noch so belanglose One-Hit-Wonder-Gruppe entdeckt immer kurz vor der Zeit, in denen Geschenke gemacht werden, ihre alten Giftschränke und räumt kassentauglich aus. Diesen Vorwurf könnte man auch Earth machen, die alte Demos und Aufnahmen von 1990 unter dem irrwitzigen Titel „A Bureaucratic Desire For Extra Capsular Extraction“ wieder-, teilweise auch erstveröffentlichen. Dagegen sprechen allerdings zwei Punkte: Das Veröffentlichungsdatum genau am 24. und das Material, welches hier noch einmal das Tageslicht erblickt. Denn jetzt macht vieles Sinn. Zum Beispiel, warum SunnO))) als Earth-Tributband anfingen. Oder als Beweis, dass SubPop Anfang der 1990er-Jahre nicht nur Grungerock veröffentlichte.

Die Musik auf “A Bureaucratic Desire For Extra Capsular Extraction” ist natürlich vor allem eines: Monoton. Tief gestimmte Gitarren und Bässe, immer wieder gespielte Riffs in sehr sehr langsamer Geschwindigkeit. Was SunnO))) später mit einem Donnergrollen leichte Erdbeben auslösen ließ, liegt auf diesem Tonträger als schmutzige, rauhe Urversion vor. Die Nähe zu Bands wie den Melvins ist ebenfalls erkennbar, wenngleich hier trotz aller Langsamkeit noch wesentlich schonungsloser geschrammelt wird.

Stücke wie das zweiteilige „A Bureaucratic Desire For Revenge“ werden in ihrer Monotonie höchstens einmal von Gekeife und gesangsähnlichen Lauten unterbrochen. Nimmt man dann noch Stücke wie „Ouroboros Is Broken“ hinzu, merkt man, dass in diesem Genre mit ein paar wenigen Aufnahmen fast schon alles gesagt war. Wie könnte zudem ein Songtitel zu solcher Musik besser gewählt sein, als „German Dental Work“? Im einzigen Stück, dem man Nähe zu irgendeiner Form der Beschreibung „Stück mit erkennbarer Melodie und Strophen/Gesang/Refrain-Parts“ unterstellen kann, ist die unverkennbare Stimme Kurt Kobains zu hören. Wer also zu Weihnachten nichts passendes geschenkt bekommen hat – hier wäre noch eine gute Möglichkeit, das zehnte Paar Socken und die Handtücher vergessen zu machen.

Klaus Porst

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