Rezension

Drangsal

Zores


Highlights: Jedem Das Meine // ACME
Genre: New Wave // Post-Punk // Indie-Pop
Sounds Like: Die Ärzte // The Smiths

VÖ: 27.04.2018

„Schaut mich an, ich werde älter. Schaut mich an, ich bin allein.“ Mit diesen Worten eröffnet Max Gruber aka Drangsal sein zweites Album „Zores“. So alleine war er bei der Produktion von „Zores“ jedoch nicht, denn für den Nachfolger vom 2016 erschienenen Debüt „Harieschaim“ hat sich Gruber prominente Unterstützung mit an Bord geholt. Neben Produzent Markus Ganter (Sizarr, Casper, Dagobert) und Co-Produzent Max Rieger (Die Nerven) wirken auch Marcel Römer (Juli), Jannis Kleis (All diese Gewalt) und Kristoph Hahn (Swans) mit.

Dass Gruber seit der Veröffentlichung seines Debüts vor allem Tool und Metallica gehört hat, wird auf „Zores“ nicht unbedingt deutlich. Lediglich der englischsprachige Abschlusssong und eines der Highlights „ACME“ weist eine gewisse Heavyness auf. Dass sich jedoch auch Die Bienenjäger, Jochen Diestelmeyers Band vor Blumfeld, in der Playlist befanden, klingt durch. Und auch Die Ätzte dürften das ein oder andere Mal auf dem Plattenteller gelegen haben, denn mehr als einmal erinnert Grubers Lyrik sowohl vom zynischen Humor her, als auch vom Melodieverlauf an Farin Urlaub: „Ich falle im und wie der Regen und merke mir sämtliche Zähne brechen / Kann es denn etwas Schöneres geben? Endlich muss ich nicht mehr sprechen.“ („Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloß Noch Dein Altes Bild Von Mir)“).

Generell gibt die Platte vor allem textlich einiges her. Mit Humor und einer manchmal überschäumenden Portion Selbstbewusstsein singt Gruber über den 80er-Jahre-Sound, irgendwo zwischen Post-Punk, New Wave und Synthie-Pop: „Ich will doch nur euer Bestes – ich will jedem das Meine!“ („Jedem Das Meine“). Der Sound hat sich im Vergleich zum Vorgänger zwar nicht radikal verändert, wirkt jedoch verfeinert, teilweise um einiges sanfter und poppiger (mit Background-Kinderchor in „Und Du? Vol. ll“) und nicht mehr zu nah dran an den 80er-Jahre-Vorbildern. Ohne die kommt „Zores“ jedoch auch nicht aus. Die 80er sind immer noch fester Bestandteil der Drangsal-DNA. Dass Max Gruber ein tiefgehendes popkulturelles Verständnis hat, war bereits nach dem Debüt bekannt. Auch „Zores“ ist durchzogen mit Soundreferenzen, von The Smiths bis Blumfeld, von Prefab Sprout bis Die Ärzte.

Wenn sich die zwölf Songs auf „Zores“ (drei davon auf Englisch) nach dem ersten Durchlauf noch etwas beiläufig anhören, offenbaren viele erst im zweiten oder dritten Durchlauf ihr Hitpotenzial. Eingängige, poppige Melodien, Texte, die Spaß machen und eine Soundästhetik voller Nostalgie. Dass die Songs dann doch alle sehr ähnlich klingen, kann als berechtigter Kritikpunkt vermerkt werden. Drangsal wird auch 2018 Leute vor den Kopf stoßen und verwirren – einen bleibenden Eindruck hinterlässt „Zores“ definitiv. Relevant für deutsche Popmusiklandschaft ist es allemal. „Die heutige Musik, ein Parasit für die Hirne der Republik, Sie ist nicht mehr das, was sie früher war“ („Weiter Nicht“).

Abhilash Arackal

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