Rezension
Declan De Barra
A Fire To Scare The Sun
Highlights: Until The Morning Comes // 57 Years // Johanna // Scraps To Feed Bones
Genre: Melancholischer Pop
Sounds Like: Clann zú // A Whisper In The Noise // A Silver Mt. Zion // The Cure
VÖ: 31.10.2008
Nun, meine Damen und Herren Leser, wie sie bereits anhand der Wertungszahl sehen, scheint „A Fire To Scare The Sun“ wohl ein ganz besonderes Album zu sein. Eines, das in der Liste der Alben des Jahres wohl weit vorn ist, eines, das man auch in Jahren noch aus dem Schrank holt und immer wieder anhört. Der überwiegende Teil von Ihnen werden den Namen Declan de Barra noch nicht gehört haben, daher kurz ein paar Dinge zur Vita des Sängers: Stammt aus Irland, ist dann nach Australien ausgewandert und hat Musik gemacht. Clann Zú hieß die Band, die sich nach zwei Alben und einer EP (sämtlichst großartig und sollten in jeder Plattensammlung vorhanden sein) und Rückgang nach Irland wieder trennte. Die Musik von Clann Zú verband den Einsatz klassischer (unter anderem irische) Instrumente mit heutzutage üblicher Musik. Über alldem stand schon damals de Barras klagende Stimme. Nach Ende der Band erschien das erste Soloalbum „Song Of A Thousand Birds“ 2005. Jetzt, Ende 2008, folgt nun also „A Fire To Scare The Sun“.
Eine derartige Höchstwertung dem Leser zu erklären fällt natürlich schwer, zumal der Künstler, sowie seine Musik ja recht unbekannt sind. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt, nämlich jener, das ein Teil dieser Bewertung nicht nur das akustische des Werkes beinhaltet, sondern auch die optische Aufmachung. Zunächst das wundervolle Cover, ganz klein oben zu sehen, welches vom Motiv her ziemliche Ähnlichkeit mit dem der letzten Clann-Zú-Veröffentlichung hat. Auf der Innenseite der aufklappbaren Hülle sind weitere Tierzeichnungen aus der Hand de Barras zu sehen und anstatt eines Booklets enthält „A Fire To Scare The Sun“ mehrere liebevoll gestaltete Karten, auf denen die Songtexte illustriert sind. Wirklich toll zu sehen, wie viel Mühe man sich in Zeiten von Mp3 und iTunes noch geben kann.
Hat man die CD erst einmal ausgepackt und eingelegt, wird die Anzeige wohlmöglich folgendes vermelden: 28:49 Minuten. Sehr kurz für ein Album und dementsprechend auch recht kaufhemmend in Anbetracht eines normalen Albumpreises. Diese kurze Spielzeit ist auf Zehn Stücke verteilt, von denen einige gern etwas länger sein könnten. Nichtsdestotrotz ist das, was innerhalb dieser knappen halben Stunde geboten wird, einzigartig. „Until The Morning Comes“ ist so herzzerreißend wunderschön, das allein dieses Stück über das auf unbestimmte Zeit trennen Liebender den Albumerwerb lohnt. Ich möchte jetzt nicht checklistenmäßig jeden einzelnen Song sezieren, es sollte an Ihnen, werte Leser liegen, sich „A Fire To Scare The Sun“ intensiv zu widmen. Einige weitere Highlights werden natürlich noch betrachtet. „On And On“ zum Beispiel. Nach erstmaligem Hören scheinbar ein verzichtbares Stück, ist es doch so trivial, und einfach. Aber genau das führt dazu, das der fast geträllerte Texteinstieg „On and on and on and on we go, where it ends, no one really knows” tagelang im Kopf hängen bleibt. „Diamonds“ ist vielleicht ein wenig kitschig, der einzige Song, auf dem der Streichereinsatz ein wenig überladen wirkt.
Ein Titel, der etwas aus dem ruhigen Grundtenor der Platte heraussticht, ist „57 Years“. Kraftvoll, obwohl eigentlich nur von einer Gitarre begleitet. Der gesellschaftskritischer Text wird nicht zum Klagelied erhoben, sondern in festen Lettern vermittelt. „Scraps To Feed Bones“ wiederrum reiht sich wieder in dunklere Tonlagen ein. Ein wenig ratlos macht das Schlussstück „Red Forests“, ein Duet mit Cora Lunny, bei dem es scheint, beide wären nicht unbedingt gut aufeinander abgestimmt. Trotz dessen ein Makel auf hohem Niveau.
Declan de Barra leidet. In fast jedem Stück, in fast jeder Zeile beklagt er irgendetwas. Sei es der Zustand der Welt, der Liebe oder was auch immer. Seine recht Hohe Stimme trägt ein übriges dazu bei. Ab und an würde sogar Vorzeigetränensack Robert Smith nicht dagegen ankommen. Aber dennoch: „A Fire To Scare The Sun“ ist keine reine Weltschmerzplatte, sondern ein ruhiges, melancholisches Album, zum ausruhen, zuhören, gemeinsam oder einsam genießen. Sicherlich gibt es einen oder vielleicht sogar zwei schwächere Stücke, was gerade bei dieser kurzen Spielzeit besonders bemerkbar ist, aber diese werden durch die Genialität anderer Stücke, sowie das Artwork ausgeglichen. Es kann vielleicht auch sein, das diese Rezension ein klein wenig durch die Fanbrille geschrieben ist – ich halte Clann Zú für eine der besten Bands, deren Musik ich je hören durfte. Es mag keine Musik für jederman sein. Wer Fan obiger Referenzen ist, sollte sich in „A Fire To Scare The Sun“ mehr als wiederfinden.
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