Rezension

Darjeeling

Hokus Pokus


Highlights: Shiver // Animal // Oh Darling
Genre: Psychedelic // Indie-Pop
Sounds Like: Rikas // Some Sprouts // Peaking Lights

VÖ: 12.04.2019

Darjeeling mischten 2017 mit ihrem Debutalbum „Life Is An Intriguing Mosaïque Of Revealing Secrets“ ordentlich auf und spielten auf unzähligen der kleinen, aber feinen Festivals. Nun erscheint mit „Hokus Pokus“ das zweite Album, das insgesamt vielfältiger klingt als sein Vorgänger. Bei ihren Liveauftritten werden Jan Richard, Markus Kresin und Fabian Till von ihrem Livedrummer Thorben Doege unterstützt, wodurch ihre Musik noch tanzbarer wird. Gegründet haben sie sich 2014 in Wuppertal, wo nur noch Markus Kresin lebt. Dabei passt diese Stadt doch so gut zu ihrem Sound.

Wuppertal – die hügelige Stadt mit den vielen Treppen im Bergischen Land. Manche nennen es aus diesem Grund Klein San Francisco oder aufgrund der lebendigen Szene und dem Ruf als Arbeiter*innenstadt das Manchester Deutschlands. Oberflächlich betrachtet ist es dort unaufgeregt und langweilig. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick und auch bei „Hokus Pokus“ kommt die Begeisterung erst so richtig auf, wenn man sich Zeit nimmt. Dann aber so richtig. Als Ort bietet Wuppertal einem die Freiheit, Neues zu tun und zu denken. Ein Element, das auch für kleine aufsteigende Bands ein wichtiger Fakt ist und das man bei Darjeeling hört. So konnten sie ihren eigenen Sound finden und in den Locations vor Ort bei „Only Hut“-Konzerten testen.

Aus dem Hut gezaubert hat Darjeeling nun ihr locker-lässiges Album „Hokus Pokus“. Im Spannungsfeld von „Unpop“/„Indie-Hipness“/„Rock“ überrascht das Album mit skurril-schaurigen Lachern („Shiver“), Orgelklängen („Hokus Pokus“), Sirenen („Oh Darling“) und verträumten Keys („Tangled Arms“). Atmosphärisch ist dabei auch der mehrstimmige Gesang, teilweise von allen drei Bandmitgliedern. Tracks wie „Nosferatu“, „Hokus Pokus“ und „Godzilla“ sind dabei mit einer Länge um eine Minute eher Interludes und doch mehr als nur Bindeglieder und Lückenfüller. Bei dem Titeltrack hat man beispielsweise das Gefühl, gerade mitten in einem Gruselkabinett gelandet zu sein: Windgeräusche, Schnarchen, hämisches Lachen und eine Tür, die zufällt. Richtig gut, wie hier eine hörspielartige Soundlandschaft kreiert wurde.

Insgesamt besticht das Album durch seine Leichtigkeit, Vielfältigkeit und durch das Gefühl, dass Darjeeling machen, was ihnen Spaß macht. Dadurch entsteht ihr ganz eigener Sound mit ungeahnten Wendungen, bei gleichzeitig eingängigen Melodien, schrofferen Beats und strudelartigen Riffs. Ein bisschen verliert man den Überblick – fast so wie bei einem Spaziergang durch Wuppertal. „Tippen-Tappen-Tönchen“ heißt dort eine bekannte Treppe. Das klingt genauso verspielt wie Darjeeling. Kein Wunder also, dass Fabian Till postuliert: „Ohne Wuppertal wären wir nicht die Band, die wir sind“.

Lina Niebling

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