Rezension

Current Joys

A Different Age


Highlights: Fear // In A Year Of 13 Moons // A Different Age // My Nights Are More Beautiful Than Your Days
Genre: Lo-Fi // Indie
Sounds Like: Tele/Visions // Boyo // Surf Curse // Told Slant // Small Wonder

VÖ: 02.03.2018 (Import)

„A Different Age“ – dort träumt sich Nick Rattigan hin: In eine andere Zeit, ein anderes Leben, möglichst weit weg von allem, was ihn belastet, um dann am Ende doch festzustellen, dass das Leiden mit dem Menschsein so eng verbunden ist, dass eine Flucht unmöglich erscheint. Es ist das mittlerweile dritte Album Rattigans als Current Joys, sein bisher bestes, intensivstes, schlüssigstes und konsequentestes Album. Mit Gitarre, Loop-Pedal, Keyboard und Schlagzeug oder Drumcomputer kämpft er sich durch seine Songs und zieht jeden mit sich, der bereit ist, ihm ein Ohr zu schenken.

Wie soll man sie nur lösen, diese innere Zerrissenheit zwischen quälenden Gedanken, die einem jede Sekunde nur Schmerz zufügen, und zugleich diesem Verlangen nach dem Fühlen, dem Umarmen genau dessen, was einen leiden, aber auch sich selbst spüren lässt und somit auch irgendwie lebendig macht? Es ist diese Spannung, die das Album in jedem Moment erfüllt. Rattigan weiß selbst, dass er sich keinen Gefallen damit tut, all seine Emotionen so intensiv auszuleben, wie er es auf diesem Album tut. Aber irgendwie liegen für ihn Todessehnsucht und der Drang, das Leben zu spüren, so nah beieinander, dass jeder Ton, jedes Wort auf diesem Album so viel Intensität und Leidenschaft in sich trägt, dass man in jedem Moment nachfühlen kann, wie kompliziert Rattigans depressive Verstrickungen sind, aus denen er sich selbst zu befreien versucht, ohne die ersehnte Lösung für sich zu finden.

Doch „A Different Age“ zeichnet sich nicht nur durch die Intensität seiner Inhalte aus, sondern auch durch seine musikalische Sprache. Nick Rattigan bedient sich einfacher Mittel im Aufbau und der Instrumentierung seiner Songs, die aber nie uninspiriert und beliebig wirken, sondern präzise die Inhalte des Albums von verschiedenen Seiten beleuchten. Zwischen Wut und Niedergeschlagenheit, Hoffnung und schon fast lethargischer Leere bewegt sich Rattigan in seinem Kampf gegen sich selbst und gräbt sich im Laufe des Albums schonungslos in die eigenen Hirnwindungen ein, bis er im letzten Drittel des Albums mit dem Titeltrack den Gipfel dieses Spannungszustandes erreicht und man den Kontrast aus schleppendem Schlagzeug und kraftvoll ausgespuckten Worten kaum mehr ertragen kann. „A Different Age“ ist sicherlich kein einfaches Album, aber wer mutig genug ist, sich wirklich darauf einzulassen, wird mit einem poetischen Stück Musik belohnt, das einen zutiefst berühren kann.

Kilian Braungart

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