Rezension

Cult Of Luna & Julie Christmas

Mariner


Highlights: Cygnus
Genre: Doom // Sludge // Post-Metal
Sounds Like: Made Oout Of Babies // Battle Of Mice // Neurosis & Jarboe // Isis

VÖ: 08.04.2016

Musikalische Kooperationen bergen immer etwas Interessantes. Im besten Fall beleben sich die beteiligten Musiker gegenseitig und schaffen abseits des Bekannten eine neue Mischung, die es in sich hat. Gerade im Bereich des Sludge/Post-Metal erfreuen sich daher Supergroups und gegenseitige Albumbesuche großer Beliebtheit. Nun kommen Cult Of Luna hinzu, die sich für ihr Album „Mariner“ die Stimme von Julie Christmas ins Boot holen. Letztere schreit/keift sonst bei Made Out Of Babies und Battle Of Mice, ist also durchaus mit dem rauen Ton dieser Musik vertraut. Fünf Songs nahmen sie zusammen auf, da es sich dabei allerdings um Sludge handelt, reicht die Spielzeit locker für ein Album.

„A Greater Call“ eröffnet „Mariner“. Ein erstes Röhren, langsame Klimax, ein schepperndes Schlagzeug, eine einsame Gitarre – knapp drei Minuten ist Harmonie angesagt. Dann aber bricht Johannes Persson mit einem Urschrei die vermeintliche Stille. Christmas singt dagegen clean an, betätigt sich zunächst als Backgroundsängerin. Im nächsten Break verdunkelt sich ihre Art zu singen. Immer weiter drängt sie in den Vordergrund, ehe sie gen Ende des Stückes wieder in die zweite Reihe hinter Persson rückt. Später, merkt man, später wird auch sie ihren Beitrag lautstark vorbringen. Der Sound der restlichen Bandmitglieder spielt dabei die üblichen Cult-Of-Luna-Muster ein. Laut/Leise-Passagen, hoch gestimmte Gitarrensoli und schleppende, schwere Einbrüche.

Sechs Alben brachten die Schweden bereits heraus, „Mariner“ ändert den bekannten Stil kein bisschen, lediglich mit den Gesangsparts wird hier herumprobiert. Bis auf wenige Ausnahmen bietet sich daher dem Hörer nichts Neues, die Hauptfrage ist und bleibt, wie sich Julie Christmas in den Sound einfügt. Dies gelingt auf Gesamtzeit gesehen, mal mehr, mal weniger. Die Idealbesetzung ist Christmas nicht. Ihre recht helle Stimme kommt vielfach nur dann gegen die Lärmwände an, wenn sie schreit. Im Cleangesang fehlt ihr an mehreren Stellen hörbar das Volumen, um gegen ihren männlichen Gegenpart und den Wolkenbruch gleichzeitig zu bestehen (etwa in „The Wreck Of The S.S. Needle“).

Stark hingegen sind die völlig losgelösten, aggressiven Stellen. Der 15-Minüter „Cygnus“ etwa scheint nach sechs, sieben Minuten schon langsam auszufaden, ehe sich Christmas und Persson einem Ehestreit gleich ein solches Schreigemetzel liefern, dass die Boxen kurz vor dem Explodieren sind. Das letzte Wort hat hierbei übrigens Persson.

Klaus Porst

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A Greater Call

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