Rezension

Cherry Glazerr

Stuffed & Ready


Highlights: Ohio // Wasted Nun // Isolation
Genre: Alternative Rock // Indie Rock // Garage Pop
Sounds Like: Sleater Kinney // Goat Girl // Mourn

VÖ: 01.02.2019

Natürlich will man es irgendwann wissen: Wohin trägt einen nun die Musik wirklich? Auf die großen Bühnen der Welt oder ist man doch dazu verdammt, lediglich als Opener fürs Next Big Thing die Bierverkäufe anzukurbeln? Die Sterne stehen gerade günstig für Cherry Glazerr: In den letzten Jahren konnten sie vom “Saint Laurent”-Laufsteg prompt in den siffigen Punkkeller stürzen und ernteten aus beiden Lagern auch noch Applaus dafür. Nach dem Debüt auf Burger Records klopfte prompt Secretly Canadian an, um die Band unter Vertrag zu nehmen. Überraschend: Der Wechsel zum größeren Label beeinträchtigte den Bandklang keineswegs. Im Gegenteil: „Apocalipstick“ war selbstbewusster und zugänglicher, ohne dabei an Kratzigkeit einzubüßen.

“Stuffed & Ready” heißt das dritte Album, was für ein selbstbewusster Albumtitel. Und ja, irgendwie auch passend, obwohl das “Stuffed” gleich mal in “Overstuffed” umbenannt werden könnte. Das erste, was auffällt: Dieses neue Album ist opulenter und zugänglicher, opfert allerdings gleichzeitig das Schludrige der früheren Alben. Gerade in den Refrains thront Clementine Creevys Engelsstimme über etwas zu fetten und komprimierten Gitarrenwänden. Das kann wie auf “Isolation” funktionieren, wirkt allerdings auf Dauer schablonenhaft. “Stuffed & Ready” liefert eher klassischen Alternative Rock der Neunziger als Garage Pop und kittet sämtliche Ausreißer: Der Hörer bekommt hier 10 Midtempo-Nummern, die wie “Ohio” oder “Daddi” sicher funktionieren, allerdings zu gleichförmig bleiben, um auf Albumlänge wirklich zu überzeugen.

Cherry Glazerr zeigen mit diesem Album, dass sie bereit für den nächsten Schritt sind. Ein solches Album stellt natürlich immer ein großes Risiko dar, läuft es doch Gefahr, die bisherigen Fans zu verspielen und vom größeren Publikum ignoriert zu werden. “Stuffed & Ready” will den großen Hit erzwingen – und scheitert daran.

Yves Weber

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