Rezension

Brian Eno

Drums Between Bells


Highlights: Cloud 4 // Glitch
Genre: Ambient // Electro // Spoken Word
Sounds Like: David Byrne // Syntaks // Roxy Music // Talking Heads

VÖ: 01.07.2011

Brian Eno, Ex-Roxy-Musiker und Ambient-Pionier, ist ja im Grunde eine Gestalt, die zu kritisieren einer Majestätsbeleidigung gleich käme. Da ist es immer wieder beruhigend, dass Eno ohnehin kaum Angriffsfläche liefert. Der Brite schwebt über den Dingen, wagt immer wieder neue Experimente und beweist mit jeder neuen Scheibe, dass es ihm nicht um Musik und Unterhaltung geht, sondern vielmehr um Kunst und Technik, um das Überschreiten vordefinierter Grenzen, die für ihn selbst nie eine Rolle gespielt haben.

„Drums Between The Bells“ ist ein weiterer Beweis für das beispiellose Schaffen Enos. Seine zweite Platte auf dem britischen Traditionslabel Warp widmet er dem Raum, also der Stille zwischen Tönen und liegt damit genau im Zeitgeist (vgl. Nicolas Jaar und James Blake). Eno geht aber noch einen Schritt weiter. Denn „Drums Between The Bells“ ist das Ergebnis einer sieben Jahre andauernden Zusammenarbeit mit dem englischen Dichter Rick Holland. Den textlichen Beitrag teilen sich Holland und Eno mit Personen, denen beide zufällig auf der Straße begegnet sind. Die typischen Eno-Soundlandschaften, sich an die Lyrik Hollands hervorragend anpassende Piano-Stücke und sogar eine Minute Stille („Silence“) sind der minimalistische musikalische Rahmen für ein Kunstprojekt, das die Grenzen von Stille im Raum auslotet. Und als wolle Eno beweisen, dass er das, was die Jungen da machen, immer noch nebenbei erledigt, widmet er einen ganzen Song dem gleichnamigen Glitch und versieht diesen mit einer Autotune-Stimme, die passenderweise aus den Werken Hollands zitiert: „There’s a glitch in the system, outside the brain flow“.

Brian Eno hat sich von der Musik als reiner Unterhaltungsform schon vor einigen Jahren verabschiedet und beweist mit „Drums Between The Bells“ eindrucksvoll, wie er rund um das Medium Musik sein Kunstverständnis aufbaut und weiterentwickelt.

Andreas Peters

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