Rezension

Bohren & Der Club Of Gore

Piano Nights


Highlights: Im Rauch // Fahr Zur Hölle // Komm Zurück Zu Mir
Genre: Jazz // Ambient // Drone
Sounds Like: The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble // Angelo Badalamenti // Dale Cooper Quartet & The Dictaphones

VÖ: 24.01.2014

Bohren & Der Club Of Gore: Der Name geht auch nach über 20 Jahren runter wie dickflüssiger Teer und steht nach wie vor für die größtmögliche musikalische Entschleunigung. Wer die Band aus Mülheim an der Ruhr auflegt, will runterkommen, dem hektischen Alltag entfliehen, die Sekunden bewusst wahrnehmen. Ein einzigartiger Sound, der seit jeher für Jazz irgendwie zu düster, für Ambient zu molllastig und für Drone zu leise war, macht dies möglich. Mit „Piano Nights“ erscheint drei Jahre nach dem Mini-Album "Beileid" nun endlich neues Material für die einsamen Stunden, die man in entspannter Einzel-Therapie verbringen möchte.

Dabei ist der Albumtitel erst einmal etwas irreführend und (neben absurden Songtiteln wie „Fahr Zur Hölle“ und „Bei Rosarotem Licht“) wohl wieder ein kleiner Spaß der Band, die sich trotz oder vielleicht auch gerade wegen der musikalischen Ernsthaftigkeit immer auch viel Humor bewahrt hat. Nein, mit „Piano Nights“ im klassischen Sinne hat das achte Studioalbum reichlich wenig zu tun. Es bleibt bei einzelnen Tönen oder Klavierakkorden, die höchstens an hohen Feiertagen („Unrasiert“) mal vor dem letzten Verklingen neu angeschlagen werden. Dazu gibt es mit Shuffle-Drums, Orgelchords und Vibraphonklängen die altbewährte Basis an wunderschöner Langsamkeit. Und natürlich darf auch das Saxophon nicht fehlen. In Zeiten von Klingande ist dies besonders wichtig, schließlich hat man schon fast vergessen, wie viel Seele diesem Instrument eigentlich innewohnt. Nach „Piano Nights“ vergisst man es sicherlich nicht mehr.

Ob das neue Album von Bohren & Der Club Of Gore nun besser oder schlechter als vergangene Veröffentlichungen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Es macht in diesem Fall ohnehin mehr Sinn, alles als ein Gesamtwerk zu betrachten, denn als eine von ganz wenigen Bands können Bohren & Der Club Of Gore auch nach der neuen Platte behaupten, eine Nische ganz für sich allein zu beanspruchen – eine Nische, die sonst nur noch Platz für den Hörer bietet, der sich beim Genuss der Musik in selbige zurückzieht.

Benjamin Köhler

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