Rezension

Bass Drum Of Death

Rip This


Highlights: For Blood // Black Don't Glow // Burns My Eye
Genre: Saufrock
Sounds Like: Fidlar // Death From Above 1979 // Queens Of The Stone Age

VÖ: 10.10.2014

Es schreit uns an jedem Kiosk aus Zeitschriften, von Werbeanzeigen an der Bushaltestelle, ja sogar aus jeder blöden, bedeutungsschwangeren Internetwerbung vor einem noch blöderen Youtube-Clip an: Lauf dir im Fitness-Studio die Füße wund! Lerne deine sechste Sprache (in nur vier Wochen)! Erledige die doppelte Arbeit in der halben Zeit! Das Leben als einziger Selbstoptimierungsrausch und Curriculum-Vitae-Tetris, ein unnachgiebiges Life-Long-Learning.

Glaubt man dem Promozettel von „Rip This“, hat auch Bass Drum Of Death dieses Fieber ergriffen. War John Barrett bisher eher ein verpeilter Slacker, soll mit ihrem dritten Album alles viel toller, spannender und raffinierter werden. Weg mit dilettantischen Garage-Band-Aufnahmen oder einem reduzierten Besetzungskarussell. Was die Welt braucht, sind noch knusprigere Riffs und fettere Mitgröhlpassagen. Also noch mehr Stadionrock.

Wirklich subtil waren Bass Drum Of Death natürlich nie. Das war wohl auch nie ihr Ziel. Irgendwie ging sie auf, die prollige Mischung aus Lo-Fi-Gerumpel und Testosterongepumpe. Mit „Rip This“ greifen sie allerdings nun zu Steroiden und wildern damit in den Gewässern von Death From Above 1979 oder den Queens Of The Stone Age, leider ohne deren Dynamik und Genialität zu übernehmen. Obwohl „Rip This“ durchaus einige Hits liefert, wirkt das Album dann doch über die Gesamtlänge zu hölzern und schematisch, um wirklich zu überzeugen. Natürlich, das im Vorhinein bereits bekannte „Black Don't Glow“ stampft gut und auch „Burns My Eye“ putscht ordentlich auf. Trotzdem fehlt über längere Strecken einfach die Inspiration. Um die Sprache der Band zu verwenden: Das fette Riff. Auch Auflockerungsübungen und halbgare Horizonterweiterungen wie das ruhige „Better Days“, welches die wohl höchstmögliche Introspektion für eine solche Band darstellt, bleibt zu konservativ und vorhersehbar, um zu begeistern.

Sicher, wirklich viel will „Rip This“ gar nicht sein. Es hat schon seinen Grund, dass Songs von Bass Drum Of Death in Nascar-Werbungen oder GTA V benutzt wurden. Bass Drum Of Death liefern den Soundtrack für echte Kerle und ihre besonders männlichen Wochenenden. Hier geht es nicht um die Rettung der Wale oder den Ausstieg aus dem Atomstrom. Klar, es gibt Platten, die dich nur etwas durstiger und feierwütiger machen, dir für eine ordentliche halbe Stunde das Gehirn mal ordentlich durchballern wollen. Das ist – richtig umgesetzt –vollkommen in Ordnung. Nicht in Ordnung ist hingegen, ein bloß mittelmäßiges Album abzuliefern. Gerade in diesen kompetitiven Zeiten.

Yves Weber

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