Rezension

Arliss Nancy

Greater Divides


Highlights: Alluvial // Don't You Forget // Finches // Bar Of The Century
Genre: Rock // Punk // Alternative Country
Sounds Like: Lucero // Two Cow Garage // Bruce Springsteen

VÖ: 13.05.2016

Aus dem Guinnessbuch der Ostfriesenrekorde: Arliss Nancy sind wohl DIE ausländische Band mit éclat-Relevanz, die am häufigsten in der Seehafenstadt Emden gespielt hat. Nämlich zweimal. Das ist nun nicht nur für zufällig eben dort ansässige éclat-Autoren von Relevanz, sondern auch Sinnbild dafür, dass Arliss Nancy wirklich unten angefangen haben, wie es sich gehört. Nun geht es langsam bergauf. Schlechter wird die Band aus Colorado dabei glücklicherweise nicht.

Gut geschlagen haben sich Arliss Nancy schon immer dafür, dass das Genre Springsteenrock (dessen Bezeichnung endlich mal offiziell gemacht werden könnte!) nicht gerade bekannt für oder beliebt wegen seines Innovationspotenzials ist, und dass hin und wieder einzelne Songs vieler Vertreter auch nur daran unterschieden werden können, ob sie jetzt von ehemaligen, gegenwärtigen, zukünftigen Freundinnen oder Kneipenbesuchen handeln: Sänger Cory Call hat seine Reibeisenstimmbänder mit genau der richtigen Menge Soul geschmirgelt und auf den ersten Alben findet sich immer wieder die eine oder andere Songstruktur, die man so noch nicht von Genrekollegen kennt. Recht passend daher auch die Supportslots für die früheren Jupiter Jones – schon unpassender jene für die aktuellen.

Nun findet sich auch auf „Greater Divides“ kein Ausfall, man hat nur manchmal das Gefühl, die Band gehe zum einen weniger Risiken ein und als bräuchten viele Songs zum anderen dennoch mehr Zeit, um zu zünden. Zwar kann wohl kein Album zehn Eingängigkeitsmonster gebrauchen, die einem so sehr mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen wie „Don't You Forget“, aber des Öfteren muss man schon dreimal hinhören, um sich ein schönes Intro wie in „Finches“ oder die ständig um die Gitarre herumtanzenden Keyboardmelodien von Chris Love (dieser Name!) zu merken. Mancher mag das schwindende Gefühl für Hits nennen – andere den Weg zur musikalischen Nachhaltigkeit. Auf jeden Fall ein guter Weg, um aus der Vielzahl wesensgleicher Bands positiv herauszustechen. Das – und natürlich der Ostfriesenrekord.

Jan Martens

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