Rezension

Ali Barter

Hello I'm Doing My Best


Highlights: Lester // Ur A Piece Of Shit // Backseat
Genre: Indie-Rock
Sounds Like: Alex The Astronaut // Middle Kids

VÖ: 18.10.2019

Ali Barter war eine der großen Neuentdeckungen des Reeperbahn Festivals 2019. Bei mehreren Auftritten, unter anderem im Molotow Backyard, stellte die Australierin ihre vielfältigen Stärken unter Beweis. Von Balladen über lauten Indie-Rock liefert sie eingängige Hits mit wichtiger Message. “Hello, I’m Doing My Best” kann gut und gerne als Meilenstein feministischer Indie-Rock-Musik gelten und es wäre mehr als berechtigt, wenn Barter durch dieses Album berühmt würde.

Die Stärken der Australierin zeigen sich schon bei den ersten zwei Songs der Platte. Selten wirkt ein Albumbeginn so vielseitig. “Lester” ist ein reduzierter Akustik-Gitarren-Song, der mit Lyrics wie “Don't you know that love sucks? // Let’s play that song again // Won't you be my funny valentine? // You were my only friend” auf den ersten Blick wie ein eingängiger Singer-Songwriter-Hit wirken mag. Doch bei genauerem Hinhören erkennt man schnell Drogenmissbrauch als Thema des Songs. Thematisch geht “Ur A Piece Of Shit” in eine ähnliche Richtung: Barter versucht offen mit Gewalt oder familiären Problemen umzugehen und damit dessen Opfern eine Stimme verleihen. Musikalisch zeigt sich aber ein komplett anderes Bild: Laute Gitarren und voranpreschende Drums verpacken die Stimme Barters in ein typisches Indie-Rock-Gewand. Mit einem beinahe unverschämten Gespür für Hits bietet sie einen Platz für gesellschaftliche Themen des Jahres 2019 – auch in den folgenden neun Songs.

Gerade deshalb sind alle Daumen gedrückt, dass Ali Barter mit “Hello, I’m Doing My Best” einer größeren Öffentlichkeit bekannt wird. Und auch wenn man sich partout nicht mit den gesellschaftlichen Missständen unserer Generation beschäftigen will, kommt man an den Ohrwürmern Ali Barters sehr schwer vorbei.

Lewis Wellbrock

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Video zu "Backseat"

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