Rezension

Aesop Rock

Skelethon


Highlights: ZZZ Top // Zero Dark Thirty // Racing Stripes
Genre: Hip Hop
Sounds Like: Hail Mary Mallon // El-P // Sage Francis

VÖ: 13.07.2012

Alles ist vergänglich. Besonders der kommerzielle Erfolg. Neue Bands kommen, um Twitterer und Blogger in Verzückung zu bringen. Und dann nach einer Woche wieder abzusaufen. Ian Bavitz aka Aesop Rock hat 2012 denkbar schlechte Karten. Sein letztes Album „None Shall Pass“ erschien 2007. Sein Label Def Jux ist bankrott. Geistloser Electro-Rap hat die Radiowellen endgültig geknechtet. Nun nach fünf Jahren Funkstille „Skelethon“. Wie passend, dass auf dem Cover das Skelett einer Katze kratzig faucht. Trends lassen Aesop Rock eben kalt.

Als wäre die Herausforderung eines Comebacks nicht groß genug, hat Aesop Rock einen weiteren draufgelegt: „Skelethon“ wurde als erstes Album vollständig selbst produziert. Und das Ergebnis kann sich hören lassen. Wie sein ehemaliger Labelkollege El-P hat Bavitz den Wechsel zu einem neuen Label bravurös gemeistert. Rhymesayers ist zwar nun das Zuhause, auf den musikalischen Anspruch hat das allerdings glücklicherweise keine Auswirkungen gehabt.

„Skelethon“ ist weder ein Zugeständnis an ein Labeldiktat noch ein verspäteter „Jetzt doch!“-Erfolgsversuch. Über fast 60 Minuten werden hektische und dunkle Beats verschraubt. Der Rapstil ist atemlos und abgehakt. Nein, das eignet sich nicht für einen gediegenen Abend mit der Liebsten. Die Lyrics pendeln in ihrer Wortgewalt und Metaphorik zwischen vertrackt und unverständlich. Die fast völlige Abwesenheit von Gastmusikern (der überflüssige Auftritt von Kimya Dawson mal ausgenommen) macht deutlich: Hier geht es nur um Bavitz. Und der ist ernst, manchmal sogar humorlos.

Bis auf die zugänglichen und mit beeindruckenden Videos ausgestatteten Appetizer „ZZZ Top“ und „Zero Dark Thirty“ mag das anfangs verwirren. Nach wiederholtem Anhören reibt man sich allerdings immer wieder verblüfft Augen und Ohren wegen der bei jedem Durchlauf neuentdeckten Fülle an Details und Querverweisen. Auf welchem anderen US-Rapalbum findet man sonst ein Fehlfarben-Sample („1000 O'Clock“)? Nicht auszumachen, wie enzyklopädisch das Musikwissen dieses Mannes sein muss und wie viele unentdeckte Referenzen sich noch auf „Skelethon“ verstecken.

Ob das Album nun das beste von Aesop Rock ist, spielt keine Rolle. Natürlich könnte man „Skelethon“ Stagnation vorwerfen. Allerdings findet diese auf einem derart hohen Niveau statt, dass man es Bavitz kaum ankreiden kann. Soll die restliche Rapwelt doch erstmal den fünfjährigen Rückstand aufholen.

Yves Weber

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