Interview

Robocop Kraus


Neuer Bassist, neues Album, neuer Name. Alles neu bei Robocop Kraus. Klar, dass es da einiges zu erzählen gab. "Frischling" Peter Tiedeken ließ sich nicht lange bitten und berichtete u.a. von sonderbaren Tourerlebnissen und der Schwierigkeit, innerhalb der Band Entscheidungen zu treffen.

Gut, dass wir ausgerechnet dich als Interviewpartner bekommen haben. Als Frischling kannst du gleich mal erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass du jetzt bei Robocop Kraus Bass spielst.

Peter: Ich hatte vorher in einer Band namens One Man And His Droid gespielt und außerdem Konzerte veranstaltet. Vor zehn Jahren hab ich mal nen Gig von Robocop Kraus mit uns als Vorband ausgerichtet. Irgendwie bin ich dann mit der Band immer in Kontakt geblieben über all die Jahre hinweg. Das Witzige ist zudem, dass, als damals die Robos nen Drummer gesucht haben, unser Drummer von One Man And His Droid sich schon für den Posten beworben hatte. Jedenfalls hatte ich nach dem Ende der Band so richtig Bock, mal Bass anstatt immer nur Gitarre zu spielen. Dann wurde der Posten bei Robocop frei und Thomas (Anm. der Red. Sänger bei Robocop Kraus) hat mich mal so angefragt, ob ich jemanden kenne, der Bass spielt, und ich so "Joaaaa...". Und so war ich dann schwupps drin.

Du warst ja beim neuen Album gleich voll involviert. Ich finde, es gab einen starken Bruch gegenüber dem älteren Material von euch. Wie ist es dazu gekommen? Habt ihr euch das so vorgenommen?

Peter: Solche Dinge entstehen meistens durch die Beeinflussung der Musik, die die Bandmitglieder während der Zeit vom letzten Album bis zur Aufnahme gehört haben. Oder wie jetzt in diesem Fall ganz konkret durch einen Wechsel der Besetzung. Aber ich denke auch, dass Robocop Kraus schon immer eine Band waren, die Wert darauf gelegt hat, dass das neue Album immer anders klingt, als diejenigen davor. Bei diesem Album nehmen die Leute, so hab ich das bisher mitbekommen, diese Veränderung irgendwie stärker wahr. Ich finde auch, dass "Blunders And Mistakes" bei den Leuten mehr aneckt, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne. Solange das Album aber uns selbst gefällt, ist es mir ehrlich gesagt auch egal, was andere davon denken.

Mir ging es zum Beispiel so, dass ich beim ersten mal hören gedacht hab: "Ohje, was ist das denn?" Mittlerweile, nach mehreren Durchläufen muss ich aber sagen, dass es euer mit Abstand bestes Album geworden ist.

Peter: Wenn man bedenkt, dass ich mich teilweise wirklich überhaupt nicht mehr erinnern kann, wie und wann wir die Songs aufgenommen haben, ist das schon verdammt lustig, was du sagst. Es stimmt aber wirklich! Ich kann mich zum Beispiel überhaupt nicht mehr erinnern, wie das Stück "Gibraltar" entstanden ist!

Aber nicht aufgrund von Alkohol, oder?

Peter (lacht): Nein, nein! Ich trink ja überhaupt gar nix. Bin wohl einfach irgendwie vergesslich. Aber eigentlich sollte ich mich ja daran erinnern können!

Ihr habt dieses mal mit Tobias Lewin als Produzenten zusammengearbeitet. War das für dich eine neue Erfahrung mit so einem Namen zusammenzuarbeiten?

Peter (Lacht): Ne, der Konatakt ist ja gerade durch mich überhaupt erst entstanden! Ich hab ja noch in einer anderen Band namens Saboteur gespielt und mit denen haben wir damals schon bei Tobias aufgenommen. Der Rest von Robocop hat die Aufnahmen dazu gehört und das hat ihnen sehr gefallen. Dann haben wir uns gleich dazu entschlossen, das neue Album bei Tobias aufzunehmen.

Ihr habt das "The" jetzt aus eurem Bandnamen rausgenommen. Warum das denn?

Peter: Ja, daran können wir uns auch nicht mehr erinnern, wie das passiert ist. Auf dem Albumcover war irgendwie auf einmal das "The" verschwunden. Wir haben dann erstmal ne Krisensitzung in der Band abgehalten, weil wir nicht mehr wussten, wie wir überhaupt heißen (lacht).

Also alles reiner Zufall?

Peter: Alles reiner Zufall! Und wir überlassen es auch wieder dem Zufall, ob auf dem nächsten Album das "The" wieder auftaucht oder nicht.

Wer war denn für das schöne Albumartwork zuständig?

Peter: Kevin Hooyman heißt der. Der hat zwei Wochen unsere Musik auf Repeat gehört und hat dazu gemalt. Ich finde die malerische Umsetzung unserer Musik ist ihm da voll und ganz gelungen. Normalerweise gibt es bei uns in der Band immer fünf verschiedene Meinungen, aber beim Cover waren sich zur Abwechslung mal alle einig!

Wie entscheidet ihr denn dann normalerweise bestimmte Dinge?

Peter: Also meine Erfahrung ist, dass wir häufig Dinge gar nicht entscheiden. Wir lassen alles auf uns zukommen und irgendeine Entscheidung ergibt sich dann meistens einfach automatisch.

Du warst ja zum ersten Mal auf einer größeren Auslandstour, jetzt aktuell in Russland, dabei. Wie waren so deine Erfahrungen?

Peter: Also was wir da für Sachen erlebt haben, das glaubst du nicht! Wir waren zum Beispiel acht Stunden mit der transsibirischen Eisenbahn unterwegs und haben im Zug Cradle Of Filth getroffen, deren Sänger im Vorfeld von irgendwelchen Nazis verhauen worden ist. Wir haben in brennenden Häusern geschlafen...

In brennenden Häusern???

Peter: Wir sind morgens aufgewacht und haben gesehen, wie das Stockwerk über uns brennt. Ich hab dann das Dümmste gemacht und bin mit dem Fahrstuhl nach unten gefahren! Die Anderen waren natürlich schlauer und sind zu Fuß geflohen. Wir haben dann auch nicht rausbekommen, was da genau los war.

Nochmal zu Cradle Of Filth. Habt ihr die angesprochen?

Peter: Der Thomas hat die angesprochen! Die haben dann auch erzählt, dass der ganze Black-Metal-Kram alles nur Fake ist. Naja, was anderes hatte man sich ja ohnehin nie gedacht. Naja, war sehr cool, da ich ja selber totaler Black-Metal-Fan bin. Unsere Band hat auf der Reise auch festgestellt, dass wir sehr auf Pagan, also Wikinger-Metal stehen (lacht).

Das ist ja wohl einer der verrückteste Geschichten, die ich bei einem Interview je gehört hab. Cradle Of Filth in Sibirien treffen...
Wo würdet ihr denn gerne in der Zukunft touren?

Peter: Neuseeland wäre total geil. Mich interessiert die Geschichte dort sehr und zudem gab es dort wahnsinnig gute Bands in den 80/90ern. Die hatten vor allen Dingen viele Indiebands, die so in Richtung Sonic Youth gingen. Ganz stark! Ansonsten halt noch mal die Oststaaten.

Aber nicht mehr in brennenden Häusern?

Peter (lacht): Ne, nicht mehr in brennenden Häusern! Aber das wird sowieso noch ne Weile dauern, weil wir nach dieser Tour jetzt erstmal ein neues Album aufnehmen.

Wie? Jetzt schon?

Peter: Auf jeden Fall. Wir wollen so schnell es geht gleich nachlegen. Wir sind schon richtig hibbelig deswegen!

Kann man das Album denn dann schon 2008 erwarten?

Peter: Das hoffe ich doch! Wir fangen gleich im Januar an, ein paar Sachen aufzunehmen, nehmen uns aber natürlich auch etwas Zeit. Wir müssen auch erstmal miteinander sprechen, wozu jeder Lust hat, in welche Richtung es ungefähr gehen soll, worauf kann man sich einigen etc.

Noch ein ganz anderes Thema zum Abschluss. Du hast doch sicher den Vertriebcoup von Radiohead mit ihrem neuen Album mitbekommen. Was hältst du von der ganzen Sache?

Peter: Zuerst einmal hab ich mich natürlich gefreut, dass es so leicht ist, an ein neues Album einer dermaßen großartigen Band heranzukommen und es ist auch schön, dass man selbst den Preis festlegen kann. Auf der anderen Seite muss man, denke ich, auch sagen, dass Radiohead eine Band ist, die sich sowas einfach erlauben kann. Ich glaube aber weiterhin an das physische Album und ich hoffe, dass es auch in Zukunft bestehen bleibt und nicht alles auf das Internet verlegt wird.

Benjamin Köhler

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