Interview

Efterklang


Kreuz und quer durch halb Europa hat die dänische Band Efterklang die Tour zu ihrem aktuellen Album „Magic Chairs“ bereits geführt, auf der sie nicht nur ihre Musik, sondern auch ihren neuen Film „An Island“ präsentierten – einen experimentellen Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit mit Vincent Moon entstand, der dem einen anderen durch seine „Take Away Shows“ bereits ein Begriff sein dürfte. Wir nutzten die Gelegenheit, uns vor Efterklangs Auftritt im Hamburger Knust ausgiebig mit Sänger und Schlagzeuger Casper Clausen zu unterhalten, um besser zu verstehen, was das Besondere an Efterklangs Musik und ihren Liveauftritten ist.

Hallo Caspar, wie geht’s dir? Wie war die Tour soweit?

Casper Clausen: Danke, mir geht’s gut, es war eine sehr lange, aber auch eine sehr schöne Tour. Wir haben schon in Holland, England, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, der Slowakei, Tschechien gespielt und sind jetzt in Deutschland unterwegs. Es war wirklich fantastisch, wir haben viele wunderbare Konzerte gespielt, aber es war auch eine lange Tour.

Wo hattet ihr die besten Konzerte bisher?

Casper: Wir hatten so viele gute Konzerte – auf dieser Tour hatten wir die höchste Konzentration guter Konzerte bisher. Wir haben ein sehr schönes und besonderes Konzert in Berlin gegeben, wo wir viele Leute kennen, und in der Slowakei hatten wir ein besonderes Konzert in Košice, der zweitgrößten Stadt der Slowakei – sie ist ganz weit im Osten des Landes – da haben wir in einer alten Tabakfabrik gespielt, das war auch etwas Besonderes, aber wie gesagt, wir hatten viele tolle Konzerte bisher.

Es scheint euch viel Spaß zu machen, auf Tour zu sein.

Casper: Auf jeden Fall, wir haben ja in den letzten viereinhalb Jahren über 300 Konzerte gegeben. Auf vielen Ebenen ist es sehr schön für uns, für Menschen zu spielen und viele verschiedene Orte kennenzulernen, aber vor allem bietet ein Konzert eine schöne Umgebung, um zu zeigen, was man macht. Manchmal, wenn man im Studio sitzt, kann das alles etwas abstrakt werden, aber wenn man Leute vor sich sieht und du nach dem Konzert mit ihnen reden kannst, ergibt das alles einen Sinn.

Natürlich muss ich dich auch etwas zu eurem Film „An Island“ fragen. Mir gefällt die Idee der „private-public screenings“ (Jeder, der will, kann eine eigene Filmvorführung veranstalten, unter der Bedingung, dass sie öffentlich ist, für mehr als fünf Leute veranstaltet wird und gratis stattfindet, Anm. d. Autors). Ist es für euch wichtig, dass es ein gemeinschaftliches Erlebnis ist, den Film zu sehen?

Casper: Hmm, ob e wichtig ist... Ja, ich würde gerne sagen, dass es wichtig ist. Ich denke, es ist wirklich wichtig, wenn ich darauf zurückschaue und sehe, wie Leute zu den Screenings kommen und sie selbst veranstalten. Es ist wirklich wichtig, aber die Idee kommt von woanders her. Ich glaube, der Ansatz war eher: „Wie bringen wir Leute dazu, sich den Film anzusehen?“ und da kam die Idee der Screenings auf, da wir keine Kontakte zu Filmfestivals haben, wo man den Film zeigen könnte und wir wollten den Film auch nicht einfach im Internet verfügbar machen. Wir hatten das Gefühl, der Film solle ein anderes Leben haben, bevor wir das machen. Ja, daher kam die Idee, und es war wirklich toll zu sehen, wie Leute, wie du sagst, zusammenkamen, um den Film zu sehen, und es ist toll, weil sie sich zum einen treffen und einen schönen Abend zusammen haben – meistens jedenfalls, denke ich – und zweitens wird der Film mit viel mehr Aufmerksamkeit und in einer viel konzentrierteren Umgebung gesehen, als normalerweise, wenn man einen Film sieht. Und die Tatsache, dass Leute in einem Hinterzimmer zusammensitzen und den Film sehen, ist perfekt für den Film, weil man ihn aufmerksam ansehen muss. Ich denke, es ist im Sinne des Films, ihn zusammen mit anderen Menschen zu sehen, das ist also echt toll. Das ist es, wo wir jetzt angelangt sind, aber die Idee kam wie gesagt von woanders her.

Wie waren bisher die Reaktionen auf den Film?

Casper: Großartig, viele Leute kamen nach den Konzerten zu uns und sagten, wie sehr ihnen der Film gefallen hat. Wir sind echt begeistert, und da der Film ja sehr experimentell ist, freut es uns umso mehr, dass viele Leute den Film sehen und ihn mögen. Das läuft wirklich sehr erfolgreich, da können wir uns nicht beklagen.

Findest du nicht auch, dass eine Insel ein sehr ausdrucksstarkes Bild ist für das, was ihr als Band erreichen wollt – Musik zu schaffen, die einzigartig und auf ihre Weise unabhängig ist?

Casper: Nun, man kann sicher sagen, dass auf der Insel, um der es in „An Island“ geht, eine Gesellschaft besteht, die in gewisser Weise losgelöst von der Welt ist. Ich hasse es normalerweise, zu versuchen, meine eigene Kunst zu romantisieren, aber natürlich kann man sagen, dass wir in gewisser Weise etwas Eigenständiges schaffen wollen und das passt natürlich zu dem Bild einer Insel – eine Insel und unsere Musik haben einige Ähnlichkeiten, aber in unserem Film „An Island“ geht es natürlich um den Ort, von dem wir herkommen, und er ist eine Präsentation dessen, wer wir sind. Das Anstellen von Vergleichen überlasse ich gerne dir.

Wir haben jetzt viel über euren Film gesprochen. Du selbst schaust auch gerne Filme. Du sagtest einmal, dass du zum Beispiel Werner Herzog und David Lynch sehr schätzt. Was gefällt dir an ihren Filmen?

Casper: Ich mag Filme, wenn sie mich auf irgendeine Weise inspirieren, wenn ich etwas sehe, das ich zuvor noch nicht gesehen habe und wenn ich überrascht werde. Ich finde, die Regisseure, die du erwähnt hast, sind in vielerlei Hinsicht legendäre Filmemacher. Ich denke, Filme können eine Sprache sprechen, welche die Musik manchmal nicht sprechen kann. Der Film schließt auch viele Kunstgattungen mit ein – es geht um Bilder und ein Gefühl für Klang, es werden überall Gefühle hervorgerufen, das ist so ähnlich, wie als Band ein Konzert zu spielen. Deshalb gehe ich auch gerne auf Konzerte, da kriegt man das volle Programm, da ist man so richtig drin. Und ich denke, das Medium Film ist ein sehr starkes Medium und es ist schwer, damit zu arbeiten. Für uns als Musiker ist es sehr viel einfacher, etwas Abstraktes zu schaffen, weil Musik nicht so viele verschiedene Ebenen hat wie der Film – da sind der Klang und die Visuals und alles, was sonst dazugehört, die Schauspieler und so weiter. Ich bin sehr fasziniert, wenn Filme etwas erreichen, das abstrakt und zugleich verführerisch ist und du das Gefühl hast, dass du geboren wurdest, um es zu sehen. Ich finde Werner Herzog hat einige unglaubliche Projekte gemacht. Ohne Efterklang mit Werner Herzog vergleichen zu wollen, denke ich, dass es in seiner Arbeit um Träume und Visionen geht, etwas zu schaffen, das groß ist. Er mag große Projekte, und da hängt er sich dann auch hundertprozentig rein. Ich habe seine Filme oft gesehen. Er hat so viele tolle Filme gemacht, da es ist schwer, einen auszuwählen, aber ich denke, "Fitzcarraldo" ist ein gutes Beispiel dafür. Er war fünf Jahre damit beschäftigt und vieles ist in der Zeit passiert – man spürt einfach seinen Einsatz für den Film.

Du sagtest gerade, dass Regisseure wie Werner Herzog versuchen, etwas Großes zu schaffen. Ihr selbst habt mit Chören, Streichern, Blech- und Holzbläsern gearbeitet. Habt ihr eine Idee, wie ihr euer Klangspektrum noch erweitern könnt?

Casper: Auf unserem letzten Album „Magic Chairs“ haben wir ja versucht, ein bisschen in die andere Richtung zu gehen und uns auf einige wenige Elemente zu konzentrieren. Ich denke, Klang hat für uns generell etwas Inspirierendes. Wir haben keinen genauen Plan, wie wir Musik komponieren wollen. Was uns inspiriert – Musik zu machen und Songs zu schreiben – kommt in erster Linie von Klängen, die von Gegenständen (klopft auf den Tisch und die Bank, auf der er sitzt, Anm. d. Autors) oder dem Klavier oder der Gitarre kommen können oder was auch immer wir gerade vor uns haben, und daraus entstehen Songs. So lange wir eine Neugierde für Klänge haben, werden wir immer neue Klänge finden, oder bekannte Klänge auf eine neue Weise verwenden. Die Grundlage unseres Songwritings sind Klänge, nicht Worte oder Geschichten, das kommt erst danach. Wir müssen zuerst die Klangwelten, mit denen wir arbeiten wollen, finden und definieren, und von da aus bewegen wir uns weiter. Wenn wir ein Album machen, versuchen wir zunächst, herauszufinden, welche Ideen wir haben oder welche Instrumente wir bei den Aufnahmen einbinden könnten. Manchmal endet das dann woanders, aber wir gehen zunächst von einer Klangwelt aus. Ich weiß also nicht genau, woher wir neue Klänge bekommen können, aber ich bin mir sicher, wir finden etwas (lacht).

Wie ist es mit dem Gesang? Seht ihr Stimmen in erster Linie auch als Klänge an?

Casper: Ja, sie sind für uns eine Art Instrument. Wir benutzen sie oft, um den Hörer durch unsere Songs zu führen. Viel Musik, vor allem Popmusik, setzt eine starke Stimme in den Vordergrund, und diesen Ansatz haben wir auch bei „Magic Chairs“ verfolgt. Davor ging es uns eher um die Atmosphäre. In unseren musikalischen Anfängen sahen wir Stimmen als Instrumente & genauso wie die Violine, das Schlagzeug und so weiter. Als wir Konzerte gaben, fanden wir heraus, dass es, wenn man – live spielt, schön ist, wenn man einen Fokus setzt, von dem aus man den Rest erkunden kann. Es ist nicht so, dass der Fokus wichtiger ist als die kleinen Details im Hintergrund, aber er ist wichtig, und das lässt sich gut umsetzen, indem man einen Schwerpunkt auf die lead vocals setzt. Durch Liveauftritte haben wir auch gelernt, dass das den Leuten hilft, zu verstehen, was wir machen. Aber ich mag beides. Wenn wir Musik komponieren und aufnehmen, arbeite ich mit Stimmen auf ganz unterschiedliche Weise. Manchmal sind sie eher wie ein Chor arrangiert oder werden wie eine Violine oder eine Gitarre oder ein Klavier eingesetzt, manchmal auch zur Verstärkung im Hintergrund. Manchmal ist es auch sehr effektiv, im Vordergrund ganz leise zu sein. Die Art, wie wir Musik machen, gleicht dem Formen einer Skulptur, man fügt hier und dort ein Element hinzu, das einem gefällt, eine Sektion hier, dann passiert dort etwas Besonderes, das gut klingt, und an einem bestimmten Punkt musst du etwas verändern. Die Veränderung kann sein, dass du etwas aus dem Hintergrund ganz nach vorne holst und wieder in den Hintergrund verschiebst, das ergibt eine Dynamik. Verschiedene Dinge hinzuzufügen ist eine Methode, das Bild zu verändern und es spannend zu machen. Wir haben in unserer Musik nicht viele Entwicklungen, die auf Akkordwechseln beruhen. Normalerweise haben wir einen bestimmten Klang oder eine Art Fluss, der unsere Musik durchzieht. Was dann die Dynamik ausmacht, ist vor allem, wo man den Fokus setzt und wie man die Instrumentierung variiert. Aber ich schweife gerade total ab (lacht).

Du hast gesagt, dass du dem Hörer helfen willst, sich in eurer Musik zurechtzufinden, indem du verschiedene Fokusse setzt.

Casper: Ja, das kann man auf viele verschiedene Weisen machen. Ein Liveauftritt generell ist eine gute Gelegenheit, Leuten seine Musik vorzustellen. Ich glaube, es ist wichtig, wenn man mit einer Band einen Raum betritt – zumindest wenn wir auftreten, ist es so –, mit den Leuten in Verbindung zu treten, und das geht sehr einfach, wenn du ihnen einen Anhaltspunkt bietest. Von einem historischen Blickpunkt aus gesehen ist es bei Menschen, die Musik hören und bei Popmusik im Allgemeinen so, dass sich die Leute an viele Genres gewöhnen können, wenn sie in der Musik etwas haben, dass sie kennen, und ich denke, die Stimme ist da sehr effektiv. Manchmal auch zu effektiv. Aber du kannst immer die Vocals in den Vordergrund setzen und dadurch die Aufmerksamkeit der Leute gewinnen. Ich denke aber nicht, dass das alles ist, worum es geht.

Macht ihr Musik also in erster Linie für andere Menschen oder für euch?

Casper: Wenn wir zu Hause sitzen und Musik machen, machen wir sie für uns, wenn wir heute Abend hier in Hamburg im Knust spielen, machen wir Musik mit den Leuten in diesem Raum. Wenn wir Konzerte geben, ist uns der Ort, an dem wir spielen, sehr wichtig. Wir haben diese Songs schon viele hundert Mal gespielt, und was genau diesen Abend spannend macht, ist die Tatsache, dass wir in einem Raum mit genau diesen Menschen vor uns spielen – in dieser Situation sind sie uns also sehr wichtig.

Ist es für euch also wichtig, bei den Leuten etwas zu bewirken?

Casper: Zumindest, dass wir sehen können, dass die Leute bei uns sind. Das Schlimmste ist, wenn man auf einer Bühne steht und keine Reaktion vonseiten des Publikums kommt. Die Reaktion muss ja nicht aus viel Jubel bestehen. Wenn du den Menschen in die Augen siehst und siehst, dass sie bei dir sind – diese Art der Reaktion zu haben ist sehr wichtig, diese Art der abstrakten Konversation mit Menschen. Von da aus öffnet sich dir eine ganz neue Welt, wenn du herausfindest, dass es ein überraschendes Element sein kann, dies oder jenes zu machen oder dort diesen Klang hinzuzufügen, und das ist spannend in vielerlei Hinsicht. Das ist das Spannende bei Live-Auftritten. So etwas ist im Studio unmöglich, weil du da kein Publikum hast. Manchmal würde ich total gerne Musik mit einem Publikum vor mir komponieren, weil ein Publikum die Dinge manchmal sehr viel einfacher macht. Du musst dich nicht hinsetzen und so viel nachdenken und dich fragen „wieso funktioniert das nicht?“, sondern du findest direkt heraus, was an welcher Stelle funktioniert und spannend ist. Das Publikum ist in gewisser Weise wie ein Spiegel dessen, was du machst. Du testest in gewisser Weise deine eigenen Ideen an einem Testpublikum.

War das nicht auch der Ansatz bei „Magic Chairs“? Ihr habt ja viele Songs des Albums im Vorfeld live gespielt. Wolltet ihr damit auch herausfinden, ob die Songs funktionieren?

Casper: Ja, wir wollten sie live spielen, bevor wir sie aufnehmen. Das haben wir aber in erster Linie für uns selbst gemacht. Denn wenn wir Songs mit raus nehmen und sie live spielen wollen, müssen sie funktionieren, da kann man unmöglich schummeln. Sie müssen einfach funktionieren. Das hat uns dazu gebracht, die Songs auf eine effektivere Weise zu vollenden. Man kann an einem Album wie „Parades“ sitzen, an dem wir eineinhalb Jahre gearbeitet haben, ohne ein einziges Konzert zu spielen. Bei einem solchen Prozess stellt man fest, dass man immer vorsichtiger wird. Man macht Dinge nicht einfach und man bekommt Angst davor, Dinge zu tun, weil mit jeder weiteren Entscheidung alles immer komplizierter wird. Man konzentriert sich nicht mehr auf die Frage, was funktioniert. Indem man die Songs mit raus nimmt und vor einem Publikum spielt, macht man es sich leichter, direkt Entscheidungen zu treffen, weil man den Menschen direkt anmerkt, was funktioniert, was es bei ihnen auslöst, ob sie zu dem, was du machst, eine Beziehung herstellen können, was von ihnen zurückkommt und wie es zurückkommt.

Würdest du sagen, dass es für euch, als ihr „Parades“ aufgenommen habt, schwieriger wurde – um es in deinen Worten zu sagen – die Skulptur zu formen, weil man bei der Arbeit mit so vielen Soundschichten immer perfektionistischer wird?

Casper: Ja, das war auf jeden Fall eine Reaktion darauf. Ich denke, "Parades" war unser großes Frankenstein-Projekt – in vielerlei Hinsicht. Das war ein ziemlicher Wahnsinn, aber auch etwas, auf das wir stolz sind, wobei ich mir selbst nicht sicher bin, ob ich es verstehe (lacht). Ja, ich denke wir waren ziemlich versessen und danach haben wir ja eine große Orchesterversion des Albums aufgenommen – „Performing Parades“. Das Album hat uns also lange beschäftigt und wir haben insgesamt ungefähr drei Jahre an diesen Songs gearbeitet. Danach wollten wir etwas machen, das ein wenig einfacher ist, wo wir direkt eine Reaktion bekommen – und da kamen wir auf diese Art zu arbeiten. Es war ein natürlicher Schritt für uns, Musik zu schaffen, die in einer Live-Umgebung entsteht, anstatt Musik zu machen und sie dann an die Live-Auftritte anzupassen.

Wo wir gerade die Drums vom Aufbau im Hintergrund hören – Rhythmus scheint schon immer sehr wichtig in eurer Musik gewesen zu sein. Schon auf „Tripper" fällt das auf, dass ihr immer versucht habt, komplexe und außergewöhnliche Rhythmen zu finden, die aber dennoch zugänglich sind.

Casper: Bei unserem Songwriting spielt der Rhythmus generell eine große Rolle. Und dabei – das hab ich vorhin schon einmal gesagt – geht es nicht so sehr um bestimmte Klangwelten, sondern darum, wie wir Klangwelten entdecken – und mich faszinieren perkussive Klänge sehr. Ich fange gerne mit Rhythmen an. Wenn ich einen Rhythmus habe und etwas darüber lege, kann das den Anfang für einen ganzen Song bilden. Der Song „I Was Playing Drums“ von „Magic Chairs“ war genau das, er war ein Rhythmus – und von diesem Rhythmus ausgehend entstand der Song. Rhythmische Muster und die Idee, eine rhythmische Linie zu haben, welche die Songs durchzieht, sind sehr wichtig für uns. Der Effekt, den man erreicht, wenn man keinen Rhythmus hat, kann manchmal auch schön sein. Wenn ich zurückblicke, stelle ich fest, dass „Magic Chairs“ das erste Album ist, in dessen Songs durchgehend ein Schlagzeug vorkommt. Davor kamen die Drums mal dazu und verschwanden wieder, aber es ging schon immer um Rhythmus, das hast du gut beobachtet.

Kannst du vielleicht einen Einfluss nennen, der dich dazu gebracht hat, so viel Wert auf Rhythmen zu legen?

Casper: Wie Einstürzende Neubauten mit Industrial Sounds umgehen und aus allen Klängen, die sie interessant finden, Rhythmen machen – das finde ich sehr inspirierend. Aber ich denke, man findet Inspiration für Rhythmen überall, da gibt es so viel spannende Musik.

Eine Frage noch zu eurem nächsten Album: Du hast einmal gesagt, du hättest die Idee ein „location album“ zu machen. Kannst du das ein wenig erläutern?

Casper: Ich denke die Idee, einen Ort zu haben, wo wir gemeinsam anfangen, wäre neu und erfrischend für uns, weil die Band von einem Nullpunkt aus beginnen könnte und wir von dort aus ein Album entwickeln könnten. Anstatt Songs zu haben, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind, hätten alle Songs einen gemeinsamen Ausgangspunkt und der Ort würde einen Rahmen für die Klänge setzen, die auf dem Album zu hören sein würden und die Grundlage für die Entwicklung eines Albums bieten. Das ist alles, was ich soweit dazu sagen kann, wir haben noch keine genaue Vorstellung, aber die Idee, an einem bestimmten Ort daran zu arbeiten, gefällt uns.

Das hört sich wirklich spannend an, vielen Dank für das Interview!

Photo by Rasmus Weng Karlsen.

Kilian Braungart

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