Festival-Nachbericht

TakeRoot 2018


Auch wenn so mancher Künstler selbst darüber streitet, wie typisch amerikanisch Americana überhaupt noch ist: zum 21. Mal präsentiert das Groninger TakeRoot eine gelungene Mischung aus Country, Rock, Folk und Bluegrass.

"So this is an Americana festival, is that the deal? Americana is American music that only Europeans listen to." Da kann das TakeRoot sich bei Father John Misty für eine Formulierung bedanken, die sich das Groninger Festival für nächstes Jahr als Selbstbeschreibung in ihre Social-Media-Profile kopieren kann. Dieses Jahr hätte dafür wohl schon ein Blick auf das Line-up gereicht, das Bandnamen wie The Americans und American Aquarium zierten und der neuseeländische Sonnyboy Marlon Williams eine geographische Ausnahme bildete.

Natürlich ist wenig Musik so amerikanisch wie Bluegrass mit Banjo und Mandoline – so sind Trampled By Turtles aus Minnesota dann nachmittags um 4 der ideale Anheizer, auch wenn ihr Changieren zwischen Country-Balladen und hibbeligem Folk auf Dauer etwas monoton ist. Allgemein ist die fast immer mindestens einstündige Spielzeit des TakeRoot gut gemeint und ein Zeichen gegen sinkende Aufmerksamkeitsspannen, doch wo John Moreland allein mit Akustikgitarre den großen Saal des Oosterpoort noch ausreichend fesseln kann, muss sich derjenige schon an einen Red-Bull-Tropf anschließen lassen, der Kurt Viles übermäßig entspannten Slacker-Rock 90 Minuten aushalten will.

Leichter macht es einem da – mal solo, mal mit Band im Rücken – der charismatische Shakey Graves aus Austin, Texas, der sich seine Zweitkarriere als Schauspieler auch beim Spielen seiner Blues-Rock-Songs anmerken lässt. Und natürlich das Entertainment-Wunder, als das sich Father John Misty entpuppt: Der ehemalige Fleet-Foxes-Drummer verbannt, komplett in Weiß gekleidet, seine Band komplett in den Hintergrund, tänzelt und marschiert dandyhaft über die Bühne und zeigt, was für ein überraschendes Headliner- und Rockpotenzial seine bissig-sarkastischen Folksongs dann doch haben. Noch etwas, für das das TakeRoot Mr. Tillman danken kann – auch wenn dieser vorschlägt, nächstes Jahr lieber Post Malone zu buchen, um amerikanische Hörgewohnheiten wirklich authentisch abzubilden. Na ja, ne: Ihr macht das mit dem Booking schon ganz gut, liebes TakeRoot.

Jan Martens

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