Rezension

A Storm of Light

And We Wept The Black Ocean Within


Highlights: Mass // Leaden Tide // Iron Heart
Genre: Sludge-Metal
Sounds Like: Neurosis, ISIS, Down, Kylesa, Tephra

VÖ: 30.05.2008

Balaenoptera musculus ist ein possierliches Tierchen. Mit seinen dreißig Metern Länge und 200 Tonnen Gewicht passt er zwar nicht in Originalgröße auf das Cover, hat es aber komprimiert auf das Debutalbum der neuen Band um Ex-Red-Sparowes-Kopf Josh Graham geschafft. Die Abbildung dieses schweren, behäbigen, gewaltigen Meeresbewohners ist sicher nicht zufällig, beschreibt das Bildnis des Blauwales doch metaphorisch sehr gut die Anstrengungen der Band, möglichst viel abdriftende Tiefe musikalisch einzufangen. Um dies noch besser darzustellen, finden sich auf besagtem Cover unter anderem auch ein sinkendes Schiff, Haie, ein auslaufendes Herzgebilde sowie Korallenriffe. Eingehüllt in dunkles Schwarz-Blau, nur wenige Lichtstrahlen an der Oberfläche durchlassend schafft bereits das erste Bild eine bedrückende Schwere, die Genrekollegen wie Neurosis seit Jahren zelebrieren.

Handwerklich hat das Quartett alles, was ein solches Album ausmacht, man gönnt sich sogar den Luxus, mittlerweile zwei Drummer zu beschäftigen. Der tiefe Bass dröhnt, das Schlagwerk donnert, es ächzt und dröhnt an jeder Stelle und der Gesang klingt stimmlich nach reichlich Whisky. Die Lyrics der Stücke sind an das maritime Konzept angepasst, beispielsweise sei hier „Vast And Endless“ zitiert: „Vast and endless // You are the sea // Calling me against the waves // I’m waerung down // I’m cold and silent // Always across the sea“. „Mass“ bewegt sich erst nahe der Wasseroberfläche, leicht wiegt die Gitarre in Sicherheit, die Rettung vor den Untiefen des schwarzen Ozeans scheint nahe, bis dieser nach zwei Minuten alles mit sich reißt, um dann wieder kurzzeitig zur Ruhe zu kommen. Das ewige Wechselspiel aus trügerischer Stille und heftigem Ausbruch, oft vertont, hier in voller Lautstärke hörbar. Die Songs erstrecken sich dabei überdie üblichen sieben bis zehn Minuten Länge.

Trotz des spielerischen Könnens, trotz, oder gerade wegen der aus vielen vorherigen Bands und Projekten stammenden Erfahrung der Bandmitglieder wirkt „And We Wept The Black Ocean Within“ ein wenig zu routiniert. Wirkliche Überraschungen finden sich keine, es läuft vieles, nach dem üblichen Laut-Leise-Schema, auf Aus- und Einbrüche hinaus. A Storm Of Light laufen teilweise Gefahr, eine Neurosis-Kopie zu sein. Fans dieser sollten sich auf jeden Fall mit dieser Platte beschäftigen, denn wer auf ein neues Neurosisalbum wartet, könnte sich hiermit schon einmal die Wartezeit verkürzen. Grahams Gesang kommt dem auch sehr nahe, was Scott Kelly und Steve von Till’s Organe hergeben. In angemessener Lautstärke (es empfiehlt sich eine Großbaustelle in der Nachbarschaft als Vergleich) gespielt, entfaltet „And We Wept The Black Ocean Within“ dennoch eine gewisse Größe, was wieder den Blauwalvergleich heranzieht. Dieser ernährt sich von Kleingetier, allerdings in solchen Massen, dass es zum mächtigsten Tier der Welt reicht. A Storm Of Light klauen viele kleine, bekannte Elemente zusammen und bauen damit ein stellenweise mächtiges Album.

Klaus Porst

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