Festival-Nachbericht

Omas Teich Festival 2012


Bei der Oma gibt's Kaffe, Kuchen und Kekse. Anders läuft's beim Omas Teich – hier stehen Bier, Gitarren und Sonnenschein an. Wobei: So gemütlich wie bei der Großmutter war's auch dieses Jahr in Großefehn wieder. Wir waren für euch vor Ort.

Am oberen Ende des Plakats herrschten dieses Jahr die Briten: Maximo Park und die Kaiser Chiefs. Die gehen für viele und vor allem für Junge. Der Altersschnitt unter den Besuchern war gewohnt niedrig – wer um die Ecke wohnt, kommt halt rum. Bravo-Leser feierten Cro, wer gerade die Wut aufs System in sich entdeckte, reckte die Faust bei Anti-Flag und Ästheten reiferer Jahrgänge bewunderten Get Well Soon. Oma, auf deiner Flagge prangt die Vielfalt.

Freitag wüteten direkt Frau Potz als zweite Band den Mob zu Klump. Meine Fresse, was hat diese Alte Schmackes! Vergleiche mit Turbostaat sind Schmarrn – dieses Trio ist gepisster und dabei viel frontaler. Ganz anders als Kellermensch, deren stockdusterer Sound zwischen Indie und Sludge die Sonne schwarz färben wollte. Ging zum Glück schief, die Intensität der Dänen ließ mit live gespielten Streichern dennoch das Rückenmark vor Kälte klirren. Danach im Zelt gab's von Pascow klugen Punk auf Deutsch, KMPFSPRT übernahmen die Staffel und demonstrierten, dass Deutschland seine eigenen Hot Water Music hat. Young Rebel Sets Frontmann Matty Chipchase nuschelte unter freiem Himmel dann wie ein Südstaaten-Cowboy – ihn und seine Folk-Band sah man aber selten so spielfreudig. Stark!

Schon im Vorfeld spannend waren dann Against Me!. Wieso? Nun, wie oft outet sich ein Sänger schon als Transgender und will fortan als Frau leben? Dem rau-poppigen Punk der Vier tat es nichts: die Hits – alt wie neu – sitzen weiterhin und rissen mit. Kleid statt Jeans? Jacke wie Hose. Mit den Kaiser Chiefs lieferte der erste Headliner dann ab. Nicht mehr, nicht weniger. Enttäuschend waren dann Pulled Apart By Horses. Die Briten krankten an dünnem, wenig durchdringendem Sound. Irgendwie wollte es nicht so recht. Veto hingegen mauserten sich auf der Hauptbühne zum Highlight. Akribischer Sound, trübe wie dustere Atmosphäre und ein eindringlicher Gesang von Troels Abrahamsen tauchten vor purpurnem Licht die Gäste in Traumwelten.

Darauf gab's den einzig ernsthaften Regen. Über Nacht. Kaum erwacht, war's am Firmament schon wieder herrlich. Manchmal hat Petrus eben Bock, mitzufeiern. Das überraschende Highlight des Wochenendes blieb dem Guten aber verwehrt, stieg es doch im Zelt: De Staat brannten ein Feuerwerk aus obskuren Hits ab, die ausnahmslos in die Beine gingen. Gern gab's Experimente, immer hielt der Groove jedoch bei der Stange. Und wie kumpelhaft sind diese Niederländer eigentlich? Ärgerlich, dass sie wegen Sound-Problemen ein paar Minuten Spielzeit einbüßten. Cro war danach Grund für massig Trubel am Einlass – und offenbar ordentlich bekifft auf der Bühne. Der Rap-Hype des Jahres war gut aufgelegt und ließ das Festivalvolk wie seine Marionettten tanzen. "Easy" durfte der Fan-Tross teils gar allein singen.

Auf den Kracher ein Kracher – es folgten Smoke Blow. Die Kieler auf Abschiedstour beschworen einen ordentlichen Mosh-Pit und mit schön kaputten Ansagen über ihren angeblich verstorbenen Schlagzeuger und Sidos "neuer Alten" bewiesen sich die Hardcore-Punks mal wieder als Vorzeige-Assis vom Dienst. Xavier Rudd beeindruckte darauf zwar mit Multi-Tasking – seine Solo-Show sog aber nicht so ein wie seine Platten. Vor den starken zweiten Headlinern Maximo Park luden die gut aufgelegten Donots noch zum Schlammcatchen, während Bodi Bill und Blood Red Shoes im Zelt die Zeiten tauschten. Ärgerlich für den, der das nicht zeitig mitbekam. Digitalism trösteten dann aber mit einem Rausch eines Sets, das zum Schluß nochmal jegliche Energiereserven reaktivierte.

Kaum Enttäuschungen, viele Kracher und wie immer etliche kleine Hochkaräter sowie unbekannte Gourmetstücke – unsere ostfriesische Lieblingsoma hatte sich mal wieder einen bunten Tross ins Wohnzimmer geladen. Ja, wie eine kleine, gemütliche Stube fühlte sich Omas Teich auch 2012 wieder mal an. Und das wohlgemerkt bei rund 10.000 Besuchern. Sowas geht nur in Ostfriesland.

Gordon Barnard

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