Festival-Nachbericht

Oakfield Festival 2017


Das Leben als Booker des Oakfield-Festivals ist ein hartes. Wo im vergangenen Jahr bereits Turbostaat aus gesündheitlichen Gründen ihren Headlinerslot an Schrottgrenze abtraten, waren es in diesem Jahr unangenehme drei Slots, die neu besetzt werden mussten. Die Briten von Sulk konnten den spontanen Austritt eines Gitarristen nicht kompensieren, die Tequila Sunrise Gang gab persönliche Gründe an und Captain Planet hat es im Urlaub einen Arm zerlegt und die Festival-Saison gleich mit.

Wahrlich schlechte Voraussetzungen, die aber mit den Hamburger Skapunks von Rantanplan, den Bonner Schreihälsen von Lygo und den Wiederholungstätern Abramowicz hochkarätig ersetzt wurden, was von dem ein oder anderen Festivalbesucher als das bessere Line-up bezeichnet wurde.

Erstmals an zwei Tagen veranstaltet, war bereits der Freitag gut besucht. Das erste musikalische Highlight setzten die umtriebigen Leoniden, die das Publikum ordentlich in Bewegung versetzten und ihr starkes Debüt dynamisch darboten. Mit den Emo-Ikonen Samian stand anschließend die Lieblingsband vieler Gäste auf der Bühne und ließ sich diese nochmal wie 20 fühlen. Rantanplan lieferten dann ab und beschlossen damit einen gelungenen ersten Festivaltag.

Der Samstag begann dann erstmal mit einem ordentlichen Regenschauer, der dem Festival-Publikum allerdings nicht die Stimmung verregnete. Auch die Bremer Stun ließen sich von den kurzen Schauern nicht beeindrucken und spielten ein druckvolles Set mit neuen Stücken, welche die Freude auf die kommende LP steigen ließ. Hamburgs aktuelle Hardcore-Hoffnung Kolari feierte anschließend lautstark den nahenden Release ihre Debüts. Wem dieses Gitarrengewitter zu laut war, der konnte in den Umbaupausen seine Gehörgänge mit ruhigeren Klängen von Joey Astray und Rocky Votolato wieder regenerieren oder sich dem guten Essen der Foodtrucks widmen.

Nach einem eindrucksvollen Auftritt der Avantgarde-Punks von Messer machten sich Turbostaat daran, ihre Absage aus dem Vorjahr wieder wett zu machen. Und das haben sie! Mit einer gut bestückten Setlist bekamen die Flensburger auch den letzten Festivalgänger aus dem Zelt vor die Bühne zitiert.

Ein Festival von Fans für Fans – das Oakfield hat Wort gehalten.

Sönke Holsten

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