Festival-Nachbericht

Immergut Festival 2017


Wenn es einen Wettergott gibt, dann hing er auf jeden Fall am letzten Maiwochenende in Neustrelitz ab. Besseres Wetter kann es für ein Festival nicht geben. Strahlender Sonnenschein und Zeltsauna ab 9 Uhr morgens. Umso besser, denn so werden die Festivalbesucher*innen nahezu gezwungen, tagsüber an einem der zahlreichen wunderschönen nahen Seen abzuhängen, mit einem knuffigen kleinen Pendelzug erreichbar. So ist das Immergut Festival eine perfekte Mischung aus kleinem Sommerurlaub mit wunderbarem Programm und vielen entspannten Menschen. Perfekt passt es, dass Donnerstag Feiertag ist. Schon am Nachmittag ist das Gelände gut gefüllt.

Zum 18. Geburtstag fährt das Immergut, um seine Volljährigkeit zu feiern, voll auf. Donnerstag spielen bereits Die Sterne ein großartiges Konzert, das zurecht euphorisch gefeiert wird. Ähnlich gefeiert werden die Shout Out Louds, eigentlich fast vergessene Indierock-Held*innen aus dem letzten Jahrzehnt, deren Auftritt aber niemanden kalt lassen kann. Wunderschön entspannt ist das kleine, aber beschauliche Festivalgelände, unmöglich kann man sich hier verlieren, es gibt keine Programmüberschneidungen, und damit nie irgendeine Art von Stress auf dem Immergut, da gar keine Planung nötig ist. Einzig die Frage "See, Campingplatz oder Programm" ist zu überlegen. Verpflegung ist preislich angenehm und vielfältig in der Auswahl, Schlangen sind nie übermäßig lang, weder auf den Klos, noch beim Essen, nichtmals in der prallen Sonne am Eisstand.

Programmatisch gibt es viele Highlights, ein frühes am Freitag ist der unfassbar berührende Auftritt von Julien Baker in der Nachmittagssonne des Birkenhain. Eine Gitarre, ein paar Loops und ihre Stimme reichen aus, um alle in einen stillen Bann zu ziehen. In der Abendsonne verzaubern dann Die Höchste Eisenbahn das Publikum, werden minutenlang zu einer Zugabe gezwungen. Das absolute Highlight des Abends sollten Broken Social Scene werden – sind sie auch, allerdings unter widrigen Umständen. Leider gibt es enorm große Soundprobleme, der Beginn verzögert sich, dann hört Kevin Drew sich nicht singen, dann fällt noch einmal für eine Viertelstunde alles aus. Schade ist, dass das Immergut-Publikum, oder zumindest der Dorfjugend-Anteil, irgendwie nicht bereit zu sein scheint für eins der besonderen Konzerte der Band. Viele wissen es nicht richtig zu schätzen, immerhin das erste und einzige Konzert der Band in Deutschland seit 2010. So kommt viel Unmut auf, der der Band entgegenfliegt, auch in Form einer Bierflasche. Sehr unangenehm und schade. Besonders ist, dass Broken Social Scene sich innerhalb von zwei Songs berappeln und trotzdem noch ein richtig, richtig gutes Konzert spielen. Die ihnen ganz eigene Energie kommt noch auf, wahrscheinlich weil sie merken, dass es einfach viel zu viel Spaß macht, miteinander zu spielen, als dass sie ihre Zeit mit Gram verschwenden sollten.

Eigenartigerweise kommt es am nächsten Tag zur selben Zeit beim Samstagsheadliner Portugal. The Man zu noch viel größeren Soundproblemen. Völlig unwillkürlich treten sehr laute Störgeräusche immer und immer wieder während des Konzertes auf, sodass es wirklich unerträglich ist, im Publikum zu stehen. Selbst auf dem fernen Campingplatz klingt das noch sehr unangenehm. Das ist nun wirklich schade, und am meisten sicher für die Festivalmacher*innen. Wir fühlen mit euch, ihr lieben Immerguten! Denn das Festival, was ihr macht, steckt voller Liebe und ist extrem schön und familiär. Macht das mal noch schön weiter, dann feiern wir bald 25., 30. und vielleicht können wir ja sogar irgendwann heiraten, wenn wir uns dafür erwachsen genug fühlen.

Daniel Waldhuber

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