Rezension

Ariel Pink's Haunted Graffiti

Before Today


Highlights: Hot Body Rub // Round And Round // Butthouse Blondies // Revolution's A Lie
Genre: Disco // Pop // Psychedelic // Funk
Sounds Like: David Bowie // The Zombies // Roxy Music // Can // Love

VÖ: 04.06.2010

Ariel Pink ist an der amerikanischen Westküste längst eine Legende. Seit Mitte der 90er veröffentlicht er in der Gegend um Los Angeles nahezu ununterbrochen Singles, EPs und Alben und dies vorwiegend auf selbst kopierten (!) Kassetten. Seine Musik lässt sich dabei am ehesten als völlig abgefahrener Weirdo-Pop beschreiben und nicht minder durchgeknallt sind auch seine Liveshows. Kein Wunder also, dass dieser Mann eine Fangemeinde hat, die den Boden küsst, auf dem er schreitet.

Zu dieser Fangemeinde gehören glücklicherweise auch Animal Collective, die Ariel Pink als einzigem Nicht-Bandmitglied erlaubten, einige Songs auf ihrem hauseigenen Label Paw Tracks zu veröffentlichen. Damit öffneten sie Ariel Pink nämlich sogleich die lange Zeit verschlossene Tür ins Musikbusiness. Dieser bedankt sich nun artig mit seinem ersten „richtigen“ Studioalbum und hat sich dazu auch gleich eine Backing-Band mit dem Namen Haunted Graffiti gegönnt.

„Before Today“ ist dabei genau das geworden, was man bei einer solchen Vorgeschichte erwartet hatte und dennoch überrascht das Album in nahezu jeder Sekunde seiner Spielzeit. Das liegt vor allen Dingen daran, weil die zig Milliarden Ideen von Ariel Pink in dieser Form einfach noch von keinem anderen so konsequent zu Ende gedacht wurden. In erster Linie sind die Songs zwar lupenreiner Disco-Pop, aber dieser ist so verfremdet, dass man dessen Skelett nur noch mit Mühe erkennen kann. Drumherum hat Ariel Pink eine psychedelische, manchmal rockige und/oder cheesige, aber immer konsequent abgedrehte Masse an Soundideen modelliert, die einfach alles in den Schatten stellt, was sich 2010 bisher so „kreativ“ geschimpft hat.

Tarzan-Gebrüll, vorbeidüsende Flugzeuge, taktloses Gefiepe und Bläser aus der Irrenanstalt wurden selten passender in Szene gesetzt. Und das sind nur einige der bunten Protagonisten auf „Before Today“, die von dem lässig ins Album schlurfenden „Hot Body Rub“ bis zum langsam ausfadenden „Revolution’s A Lie“ einen Rausch abliefern, der sich aber mal so was von gewaschen hat. Wenn Michael Jackson, David Bowie und The Zombies gemeinsam auf einem LSD-Trip hängen geblieben wären, hätten sie diese Platte aufgenommen. So bleibt dieser Fame nun Ariel Pink’s Haunted Graffiti vorbehalten und keiner hätte das mehr verdient.

Benjamin Köhler

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