Konzertbericht

The Picturebooks


The Picturebooks aus Gütersloh gehören wohl gerade zu den umtriebigsten Bands des Landes. Über 60 Konzerte umfasst die aktuelle Tour zur letzten Veröffentlichung "Home Is A Heartache", diese führt das Duo durch ganz Europa.

Auch Bremen steht zum ersten Mal auf dem Tourplan und bietet der Band im Magazinkeller unter dem Bremer Schlachthof eine Bühne. Viel Werbung wurde aus Kostengründen im Vorfeld nicht geschaltet und so verlässt sich die Band fast komplett auf die Ankündigungen in den sozialen Netzwerken. Wer sich dennoch auf den verschneiten Weg zum Magazinkeller gemacht hat, muss feststellen, dass aus produktionstechnischen Gründen der Support-Slot der Berliner Band The Loranes gestrichen ist, was bedauerlich ist, da auch diese Band mit "2nd" eine starke Platte veröffentlich hat.

Etwas missmutig stiegen dann wegen der nicht kommunizierten Absage bei einigen Gästen die Erwartungen an die Hauptband. Und diese wurden nach den ersten gespielten Tönen der Picturebooks erfüllt. Denn was das Duo da auf das Publikum schallte, hatte derartige Intensität, dass es den gut gefüllten Magazinkeller erstmal ins Staunen versetzte. Was Gitarrist Fynn Grabke da aus seinen Amps schoss, strotzte vor roher Leidenschaft und transportierte seine Geschichten vom Leben auf Tour eindrucksvoll. Angetrieben wurden die Songs vom sehr individuellen Schlagzeugspiel Philipp Mirtschinks. Er verzichtete gleich komplett auf Becken oder Hi-Hats jeglicher Art und bearbeitete die riesigen Kessel mit großen Mallets oder gleich mit der flachen Hand. Der Vergleich mit "Tier" der Muppets von Gitarrist Fynn war daher auch sehr angebracht.

Das gut 80-minütige Set war ein Ritt durch die letzten beiden Alben und derart intensiv dargeboten, als ob es kein Morgen gäbe. Nicht zuletzt auch wegen des durchweg guten Sounds im Gewölbe des Schlachthofs. Und wer sich den verantwortlichen Soundtechniker mal genauer anschaute, wird Skater-Idol und Thumb-Frontmann Claus Grabke hinter den Reglern erkannt haben, der nebenbei auch Vater des Picturebooks-Frontmannes ist.

The Picturebooks sind aufgrund ihrer absoluten Hingabe und diesem druckvollen Sound live ein Spektakel, was man so nicht häufig zu sehen bekommt. Und da sie derart umtriebig sind, wird die nächste Platte und die nächste Tour nicht lange auf sich warten lassen.

Sönke Holsten

Lesen


Rezension zu "Home Is A Heartache" (2017)
Rezension zu "List Of People To Kill" (2009)

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.