Konzertbericht

Kaiser Chiefs


Das die Kaiser Chiefs in Deutschland noch lange nicht den Status wie in ihrer Heimat innehaben, merkt man bereits, als man die Jungs vor dem Konzert völlig unbeeindruckt beim Pizzaessen in der kleinen Bude neben dem Prime Club trifft. Aber wer soll die eigentlich kennen, wenn man sich nicht gerade intensiv mit Musik beschäftigt? Gerade mal eine EP haben die Chiefs "offiziell" hierzulande veröffentlicht und schon headlinen sie ihre eigene Tour. Berechtigte Zweifel kommen auf, ob der Prime Club wohl gut gefüllt sein wird...

Wie töricht muss man im Nachhinein sagen! Die Location platzt aus allen Nähten und so wartet man dichtgedrängt auf den Support The Cribs. Diese scheinen wohl gleich hier übernachtet zu haben, schließlich waren sie zwei Wochen vorher schon als Vorband von Bloc Party zu sehen. Die drei Brüder rotzen jedenfalls ordentlich los und mit ihren catchy 3 Minuten- Songs haben sie schnell die Zuschauer auf ihrer Seite. Einzig mit der Kommunikation will es nicht so recht klappen. Zumindest blickt man in größtenteils fragende Gesichter, wenn man auf die Reaktionen zu den Ansagen achtet, die Sänger Ryan in einer Sprache, die wohl englisch sein soll, zwischen den Songs immer wieder macht. Kaum auf der Bühne heißt es diese aber auch wieder zu räumen.

Die Kaiser Chiefs kommen mit der Stylenote 1- auf die Bühne. Einzig Bassist Simon Rix sieht aus, wie frisch aus dem Emozoo entlaufen. Mit dem elektischen "Na Na Na Na Naa" geht man gleich in die Vollen und sofort werden zwei Dinge klar: Sänger Ricky Wilson ist eine verdammte Frontsau und die Musik kommt live nochmal eine ganze Schippe knackiger rüber als auf Platte. Das Publikum geht sofort mit, tanzt sich die Seele aus dem Leib und klatscht auch brav nach, als Keyborder und Mr. Bean Lookalike Peanut dazu animiert. Zwischendurch springt der Frontmann bei "Everyday I Love You Less And Less" trotz viel zu niedriger Decke todesmutig sogar ins Publikum! Soviel Feuer unterm Arsch hätte man der Band gar nicht zugetraut. Fast alle Tracks des Debütalbums werden durchgespielt und auch zwei bisher unbekannte Songs finden den weg in die Setlist. Nach zwei kleinen Zugaben fällt nach einer guten Stunde aber auch der Vorhang für die Kaiser Chiefs. Mit einem verschmitzten Lächeln verabschiedet sich der sympathische Fünfer und lassen eine glückliche Menge zurück. Am Ausgang gibt es Shirts in der Ausführung "Chief" für den Mann und "Chiefette" für die Frau. Süß...

Benjamin Köhler

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