Konzertbericht

Fortuna Ehrenfeld


Die Beschreibung "Pop-Musik für Erwachsene" liest man häufiger, wenn es um einen Erklärungsversuch der Musik von Martin Bechlers Band, Fortuna Ehrenfeld, geht. Dass dieser Ausspruch nicht von ganz weit hergeholt ist, zeigt sich auch an diesem Freitagabend im Bremer Tower. Ein Großteil der Besucher des gut besuchten Saals hat die 30 lange hinter sich gelassen und der Rest hat vielleicht einfach eine Schwäche für schwermütigen Pop oder wartet schlicht auf die im Anschluss an das Konzert angesetzte Party eines hippen Bremer Musiksenders.

Den durch eine Grippe ausfallenden Support von Atlantic Puffin übernimmt dann spontan die Bremer Instanz Grillmaster Flash. Nur mit Akustik- beziehungsweise E-Gitarre bewaffnet, spielt sich der Singer-Songwriter größtenteils durch Stücke seiner Veröffentlichung "Andere Leude My Ass" und überzeugt musikalisch und unterhaltend auf ganzer Linie. Der Grundstein für einen starken Konzertabend ist also gelegt.

Nur fünf Minuten später, der Zeitplan der Radioparty drängt, stehen bereits Martin Bechler im obligatorischen Pyjama, Schlagzeuger Paul Weißert und Keyboarderin Jenny Thiele auf der Bühne und spielen sich durch den noch überschaubaren Backkatalog von Fortuna Ehrenfeld. Gleich zu Beginn knüpft Bechler mit "Zuweitwegmädchen" das Band zwischen Publikum und Band, welches bis zum Schluss halten soll. Zwischendrin gibt es dann noch den obligatorischen Werbeblock für Vinyl und Songbook und eine überschwängliche Lobhudelei für die verantwortliche Labelheimat, das Grand Hotel van Cleef. Und das Ganze so überzeugend vorgetragen, dass niemand auch nur an das Wort Ausverkauf denkt. Mit "Hundeherz" und "Analoges Mädchen" sind dann doch zwei Songs in der Setlist, die ausbrechen und laut und mit voller Schlagzeugkraft durch die Boxen schießen.

Bechler wirkt mit seiner Band im Rücken wie jemand, der schon seit langer Zeit Konzerte spielt und die Erfahrung diverser Alben im Rücken hat. Dass diese Reise von Fortuna Ehrenfeld erst zwei Alben andauert, ist dabei umso bemerkenswerter und trotzdem schon jetzt eine Ausnahmeerscheinung in der hiesigen Singer/Songwriter-Landschaft. Das Publikum kauft dann nach dem Konzert noch den Merch ordentlich leer und Martin Bechler ist sich dabei nicht zu schade, jede einzelne Scheibe zu signieren – selbstverständlich im Pyjama.

Sönke Holsten

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