Konzertbericht

Fever Ray


Wenn die Songs eines Albums durch die Liveperformance erst die volle Wirkung entfalten, dann wurde auf jeden Fall einiges richtig gemacht. Fever Ray und ihre Band machen bei ihrer aktuellen Tour vieles sogar mehr als richtig.

In den Kommentarlisten auf Ticketseiten oder auch bei Veranstaltungsseiten wird zur aktuellen Fever-Ray-Tour nicht nur Positives geschrieben. "Lesbische Freakshow" wird das Konzertprogramm verachtend genannt oder es gibt Bemerkungen zu lesen wie: "Warum verwandeln sich The Knife und Fever Ray in ein schrottiges Neon-Programm, bevor ich sie live gesehen habe?" und "Die echte Fever Ray hat mir besser gefallen!" – um nur wenige zu nennen. Wer Karin Dreijers Anspruch, Musik zu machen kennt, wird über solche Aussagen nur den Kopf schütteln können. Wer darf es sich anmaßen zu bestimmen, was "die echte" Fever Ray ist? Höchstwahrscheinlich wohl nur Dreijer selbst.

In Köln ist die Stimmung zum Glück großartig und es sind keine solchen negativen Vibes im Publikum zu verspüren. Schon Tami T als Voract wird abgefeiert und Fever Ray, auf Tour als Band besetzt, erst recht. Karin Dreijer und die weiteren fünf Superheldinnen* bieten mit ihren Kostümen, Tanzeinlagen, abwechselndem Gesang und vor allem im Zusammenspiel miteinander eine großartige Show. Im Video zu "IDK About You" gibt es einen kleinen Einblick, wie vielfältig die Kostüme sind und wie wild teilweise getanzt wird.

Martin Falck, der Dreijer bereits von der Zusammenarbeit mit The Knife kennt, hat bei der Gestaltung des aktuellen Albums, der Videos sowie der Lichtshow mitgewirkt. Für die Konzerte hat er ein umfassendes Lichtspektakel generiert, das zu jedem Song perfekt abgestimmt ist. Die Kostüme erleuchten je nach unterschiedlicher Lichteinstrahlung in verschiedenen Farben, mal erstrahlen Laser, oft verschiedenfarbige Neonröhren, mal ist die Stimmung düster und nur wenige Spotlights leuchten. Zum Schluss strahlt die Bühne in Regenbogenfarben, den Farben der LGBT-Bewegung. Viele Ansagen von Seiten der Band gibt es während der gesamten Show nicht, aber zumindest am Ende wird dem Publikum, das mehr als begeistert ist, gedankt und angesagt, dass sie bei solch einer guten Stimmung wohl wiederkommen müssen.

Das Konzept ist absolut durchdacht und perfekt auf die Bühne gebracht. So werden die Songs oftmals in Liveversionen erweitert oder verändert. Zwei Schlagzeuge liefern einen großartigen Rhythmus, die Synthies die Melodien. Drei der Frauen* sind für die Gesänge und Performanceeinlagen zuständig. Alles zusammen überzeugt absolut. Karin Dreijer teilt sich die Bühne gleichberechtigt mit den anderen, die gemeinsam nicht nur ein großartiges Elektro-Popkonzert, sondern auch die queer-feministische Revolution auf die Bühne bringen.

Marlena Julia Dorniak

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