Konzertbericht

De Staat


Na endlich: Hollands irrster Alternative-Rock-Export De Staat spielt auch in Deutschland mal eine fast ausverkaufte Tour. Nach Konzerten in Köln, Stuttgart und Berlin stellen Torre Florim und Konsorten am 12. März im Hamburger Molotow ihre überragenden Live-Qualitäten unter Beweis.

In ihrer Heimat füllen De Staat die großen Hallen, bei bisherigen Hamburg-Shows wurde nicht mal das räumlich eher beschauliche Hafenklang voll. Eine gewisse Genugtuung darf man als Fan der Truppe da schon mal verspüren, wenn bereits bei der Vorband Rideau im proppevollen, wenn auch nicht restlos ausverkauften Molotow die Luft stickig wird – was zu Teilen auch an der Leistung der fünf Schweden liegt: Die hängen sich mit ihrem nicht gerade innovativen, aber effizienten Rotzrock rein und müssen sich höchstens den Vorwurf gefallen lassen, es mit dem Zitieren traditioneller Rockergesten (inklusive Mikrofon-durch-den-Hosenstall-fädeln) ein bisschen zu übertreiben.

De-Staat-Frontmann Torre Florim hat derlei Kaspereien nicht nötig. Mit seiner Band im Rücken und ohne große Vorrede startet er in den Opener "Peptalk"; ab da nimmt ihm das Publikum den Frontmann auch so ab: Florim führt durch die Songs, indem er wechselweise den Sektenprediger und den charismatischen Crooner mimt, akzeptiert dankbar Wasser- und Biergeschenke aus den ersten Reihen und hält bei Gelegenheit auch mal das Mikrofon ins Publikum, ohne sich auf das Niveau von albernen Mitsingspielchen herabzulassen. Der Fokus liegt an diesem Abend naturgemäß vor allem auf Songs des neuen Albums "O", die sich in ihrer Live-Tauglichkeit nicht vor älterem Material verstecken müssen: Die den fünf Holländern eigene Mixtur aus musikalischer Finesse, textlicher Bissigkeit und dem richtigen Anteil stumpfer Disco-Tanzbarkeit sorgt dafür, dass sich neue Nummern wie "Blues Is Dead", das herrlich ironische "Help Yourself" und der düstere Synth-Rocker "Murder Death" gleichberechtigt neben alte Favoriten wie den Beastie-Boys-Verschnitt "Sweat Shop" und "Down Town" einreihen – letzterer Song punktet live mit beeindruckend exakt getaktetem Wechselgesang zwischen Florim und Keyboarder Rocco Hueting.

Zur Zugabe "Witchdoctor" begibt sich der Frontmann ins Publikum, um – ähnlich wie im zum Song gehörigen Musikvideo – einen kreisrunden Ekstasetanz um sich herum zu initiieren. Das Ergebnis sieht zugebenermaßen eher nach kreisrundem (aber enthusiastischem) Im-Takt-Hüpfen aus; man wünscht sich aber insgeheim dabeizusein, wenn De Staat dieses Experiment am 31. März in der Münchener Olympiahalle auf einer 360?-Rundbühne noch einmal probieren – als Vorband für Muse, die mit der Einladung der Holländer ein Maß an musikalischem Geschmack beweisen, das ihnen nach dem Album-Rohrkrepierer "Drones" nicht mehr unbedingt zuzutrauen war.

David Albus

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