Konzertbericht

Bill Callahan


Bill Callahan spielt ein Konzert. Der Satz reicht für Freund*innen des Songwriters mit zurecht unvergleichbarem Status aus, um Herzklopfen zu bekommen. Und viel mehr braucht es dann auch nicht an diesem regnerischen Oktoberabend im Berliner Admiralspalast: Bill Callahan spielt seine Songs. Es ist das erste – und einzige – Deutschlandkonzert seit fünf Jahren. Es gibt kaum Lichtshow – im Prinzip ist die ganze Zeit mehr oder weniger das Saallicht an, Callahan hat einen Schlagzeuger, einen (E-)Kontrabaßisten und einen Gitarristen dabei, er selbst spielt durchgehend dieselbe Akustikgitarre, die er zwischen den Songs selbst stimmt. That's it.

Sobald Callahan den Mund öffnet, füllt und verzaubert er den Raum mit seiner unglaublichen, warmen Stimme, und seinen unglaublichen Songs. Songs, die so organisch sind, so viel Raum bieten, oft so herzzerreißend warm und direkt sind, daß die zwei Stunden wie im Flug vergehen, und gerne noch endlos weitergehen könnten. So auch, wenn es nach Callahan geht: Die Zugabe ist ?Riding For The Feeling?, und er wünscht sich, der Curfew wäre erst um 1 Uhr nachts, damit der Song ?the full 90 minutes it deserves? bekommt. Das bringt es auf den Punkt. Callahan selbst ist ungewohnt gesprächig und offen, auf seine etwas kauzige, aber doch warmherzige Art.

Das Mainset umfaßt große Teile des neuen Albums, aber auch Klaßiker wie ?Let's Move To The Country?, das unter dem alten Künstlernamen Smog läuft, oder das neunminütige ?One Fine Morning?, das live locker eine Viertelstunde dauert. Immer wieder spielt die Band mit spärlichsten Mitteln und Callahans Stimme mit Dynamiken, bringt Ruhe rein, wird lauter, aber ist immer ganz bei sich. Und so fühlt sich der Abend auch für das Publikum an – ein wunderschöner, ruhiger Abend. Wohltuend, ganz bei sich. Dank Bill Callahan, der ein paar Songs gespielt hat.

Daniel Waldhuber

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