Konzertbericht

Andrea Schroeder


Als "Grande Dame" steht sie auf der Bühne, hat eine unvegessliche Stimme und spielt mit Stilen wie Chanson-Noir, den zwanziger Jahren oder Bowies 70ern in Berlin: Andrea Schroeder. Wir besuchten die Berliner Künstlerin bei einem Konzert in Potsdam.

Quasi ein Heimspiel erwartet Andrea Schroeder an diesem Abend in Potsdam. Nur wenige Kilometer vor der eigenen Haustür präsentiert sie sich, ihre Band – und vor allem natürlich ihre beiden Alben "Blackbird" und "Where The Wild Oceans End" im Waschhaus. Dennoch ist es leider recht leer, nur um die 50 Gäste finden sich an diesem Donnerstagabend ein. Passend zur Musik sieht man im Publikum (meist fortgeschrittenen Alters) auch mehr Wein als Bier, dazu Stehtische. Eine Vorband gibt es nicht, Punkt acht beginnt die Show und wird arbeitnehmerfreundlich kurz vor zehn vorbei sein.

Nach einem gemütlichen Abend hören sich zunächst auch die ersten vier bis fünf Balladen des Sets an, ehe die Akustikgitarre einer fast lärmenden weicht und sich zum ersten Mal der düstere Charme von Schroeders Stimme voll entfalten kann. Im Laufe des Abends sind es insbesondere die Stücke ihres aktuellen Albums wie "Fireland", "The Spider" und "The Rattlesnake", die für Abwechslung sorgen und besonders eindringlich sind, denn viele der sehr ruhigen Stücke sind aneinandergereiht auf Dauer ein wenig zäh. Ein besonderes Highlight der Liveversionen ist allerdings das Violinenspiel von Catherine Graindorge, welches so einige Songs aufwertet. Neben eigenen Liedern finden sich in der 90minütigen Setlist auch einige Cover – zum Beispiel von Jaques Brel, natürlich aber auch "Helden" von David Bowie, welches auch auf "Where The Wild Oceans End" zu finden ist.

"Chanson Noir" betitelt Schroeder selbst ihren Stil, wie sich zeigt, absolut passend. Neben der Schwere ihrer Musik ist sie selbst jedoch eine sehr angenehme, sympathische Person, die auf der Bühne durch freundliche Kommunikation mit dem Publikum mehrfach zeigt, dass die heutigen Anwesenden nicht nur Zuhörende, sondern auch Gäste sind. Diese fühlen sich an diesem Abend, den Reaktionen am Ende zufolge, bestens unterhalten.

Klaus Porst

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Rezension zu "Where The Wild Oceans End" (2014)

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